Spitalgeschichten

Professionelle Distanz

Ich glaube, etwas vom Schwierigsten am Beruf des Arztes ist es, die professionelle Distanz zu den Patienten zu wahren und trotzdem nicht abzustumpfen. Das Gleiche gilt natürlich, wenn man in der Pflege oder einem anderen Beruf arbeitet, in welchem man mit Menschen in schwierigen Situationen und Lebenskrisen konfrontiert ist.

Während meines sechsmonatigen Pflegepraktikums in einem Krankenhaus fühlte ich mich oft sehr hilflos, wenn es Patienten psychisch offensichtlich sehr schlecht ging. Ich wusste nicht, wie ich mit ihnen und der Situation am besten umgehen konnte. Normalerweise ist man mit Patientinnen und Klienten nicht befreundet, weshalb man sich von ihnen und ihrem Schicksal abgrenzen muss, um seinen Beruf langfristig ausüben zu können.

Körperliche Beschwerden und Schmerzen kann man im besten Fall mit einer Operation, Medikamenten, Ernährungs- oder Physiotherapie lindern oder sogar heilen. Bei der Psyche ist das oft nicht so einfach. So nützt es mir absolut nichts, wenn ich aus Frust über die Gesamtsituation heulend in meinem Spitalbett liege und mir der ofensichtlich überforderte Assistenzarzt ein Rezept für ein Schmerzmittel in die Hand drückt. Schmerzen habe ich nämlich keine, null. Doch dagegen könnte er wenigstens was tun… Dagegen, dass ich wütend und unzufrieden bin, ist er machtlos. „Das weitere Vorgehen müssen Sie dann zu einem späteren Zeitpunkt mit dem Chef besprechen. Auf Wiedersehen.“ Na prima.

Was mir in der Situation wirklich geholfen hat, war, dass ich eine Bezugsperson bei der Pflege hatte, die mich schon länger kennt und mehr weiss, als dass, was in meiner elektronischen Krankenakte steht. Sie ist sowohl Ansprechpartnerin für mich als auch für die Ärzte und kann so sehr gut vermitteln. Ihr vertraue ich und ich weiss, dass sie auf meiner Seite steht.

In einem Krankenhaus ist es ganz normal, dass man gleichzeitig von verschiedenen Fachleuten betreut wird, aber ich finde es wichtig, dass jeder Patient mindestens eine Ansprechsperson hat, die sich für ihn verantwortlich fühlt.

 

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