Essgeschichten

Gekaufte Wissenschaft

Kürzlich hate eine Mitstudierende in unserer kohorteneigenen Facebook-Gruppe den Link zu einer Dokumentation des Fernsehsenders Arte gepostet. Ihr Titel: „Die Diät-Lüge“.

Im wesentlichen geht es darum, dass zwei Journalisten im Zusammenarbeit mit einem Hausarzt und einem Ernährungswissenschaftler eine Diätstudie fingieren und es tatsächlich schaffen, diese zu publizieren sowie mit ihrer Erkenntnis – Schokolade macht schlank-weltweit in die Schlagzeilen zu kommen. Dabei hätte jeder Amateurwissenschaftler schon beim ersten Durchlesen des Papers merken müssen, dass die Ergebnisse einer Studie mit nur 14 Probanden und unzähligen anderen Ungereimtheiten nicht für bare Münze genommen werden können. Wenn ich in zwei Jahren meine Bachelor Arbeit in dieser Form abgebe, kann ich mir die Eins – in der Schweiz wohlgemerkt die schlechteste Note – auch gleich selber ins Zeugnis schreiben.

In einem Hintergrundbericht beleuchten sie ausserdem, was sich hinter den Fassaden der Diätindustrie zum Teil so abspielt und kommen dabei zu erschreckenden Ergebnissen. „Wissenschaftliche“ Studien zur Wirkung von Diäten werden oft direkt von der jeweiligen Firma produziert und die Mitglieder von Gremien, welche Richtlinien zur Adipositasbekämpfung herausbringen, sind finanziell am Erfolg von den propagierten Diäten beteiligt.Der Erfinder der bekannten Dukan-Diät sagt sogar vor laufender Kamera, es interessiere ihn nicht, ob seine Ernährungsweise langfristig etwas bringe. Für ihn sei nur wichtig, dass die Leute damit schnell abnehmen.

Immer wieder gibt es neue Diät-Trends, die sich dann in jeder Zeitschrift wiederfinden. Doch wer versteht überhaupt, was hinter dem Prinzip low carb steckt oder warum es kein Wunder ist, dass man bei der Werwolf Diät (ja, die heisst echt so) in 24 Stunden bei Vollmond zwei Kilo (würde auch in allen anderen Mondphasen funktionieren, aber dann ist es nicht so sexy und klingt weniger schlau) abnimmt, wenn man nur Wasser und Saft trinkt. Interessant fand ich übrigens auch, dass das französische Wort für Diät „Regime“ lautet.

Forschungsmethoden und Statistik sind mühsame Fächer und ich werde sie nie mögen, aber inzwischen weiss ich wenigstens, dass ein gewisses Hintergrundwissen über die Durchführung von Studien helfen kann, die Qualität von Publikationen zumindest oberflächlich zu überprüfen.

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