Spitalgeschichten

Von einer Gesunden zum vorübergehenden Pflegefall in weniger als fünf Stunden

So, ich hab’s überstanden und darf mich nach zehn Tagen Krankenhaus nun daheim weiter erholen. Home sweet home.

Auch wenn ich das in meinem Leben schon ein paar Mal erlebt habe, finde ich es immer wieder krass, was während und nach einer Operation mit einem geschieht. Am Sonntagabend war ich noch frisch fröhlich mit meiner Familie essen, bevor sie mich in der Klinik abgeliefert haben. Um sechs Uhr am Montagmorgen wurde ich geweckt, durfte ein letztes Mal duschen und wurde anschliessend direkt in den Operationssaal gefahren. Bis dahin fühlte ich mich fit und, zumindest nach aussen hin, völlig gesund. Als ich etwa fünf Stunden später im Aufwachraum wieder zu mir kam, hatte ich drei Infusionen und eine Sonde zur arteriellen Blutdruckmessung im linken Arm, eine Sauerstoffbrille in der Nase, einen Schmerzkatheter in der Wirbelsäule und eine frische, ca. 18 cm lange Bauchnaht. Zwei Drainagen förderten Flüssigkeiten aus meinem Bauch und ich fühlte mich, um es kurz zu sagen, wie vom Bus überfahren. Während ich keine zwölf Stunden zuvor noch total gesprächig gewesen war, konnte ich einfache Fragen nun knapp mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten.

Zum Glück gab es das Pflegepersonal, welches mich in den nächsten Tagen fürsorglich aufgepäppelt hat. Dass man plötzlich rund um die Uhr überwacht wird, sich nicht mal selber waschen kann, geschweige denn essen mag, ist schon ein eigenartiges Gefühl, wobei ich in der Phase viel zu müde war, um mir überhaupt darüber Gedanken zu machen.

Schmerzmittel sind auch was tolles, ich bin nie so entspannt wie nach 2mg (mindestens!) Morphium i.V. In Kombination mit Fentanyl (an sich auch eine sehr nette Droge) fand mein Magen das dann aber gar nicht komisch und gab alles wieder her, was ich ihm zuvor in mühsamer Überwindung zugeführt hatte.

Im Krankenhaus war ich so lange, bis ich wieder einigermassen mobil und „kostaufgebaut“ war sowie mit den Schmerzmitteln, die ich selber daheim einnehmen kann, über die Runden kam. Die eigentliche Erholungsphase beginnt aber erst jetzt. Ich erweitere langsam meinen Bewegungsradius und geniesse es, auch mal ungeniert nichts zu tun und mitten am Tag ein Schläfchen zu halten. Jetzt ist auch die Zeit, in der ich realisiere, was innerhalb der letzten zwei Wochen mit mir passiert ist und wie sich das auf mich und meinen Körper auswirkt. Für’s erste ist die Operation gut überstanden und auch die Wundheilung verläuft zufriedenstellend. Ob sie den gewünschten Erfolg gebracht hat, wird sich allerdings erst in den nächsten Wochen und Monaten zeigen.

3 Gedanken zu „Von einer Gesunden zum vorübergehenden Pflegefall in weniger als fünf Stunden“

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