Alltagsgeschichten, Studiumsgeschichten

„Ich spüre ja nichts“

Letztens durfte ich bei der Beratung eines älteren Mannes mit einem neu diagnostizierten Diabetes Typ 2 zuhören. Er war früher Landwirt und arbeitet auch heute noch auf dem Hof, den er gemeinsam mit seiner Schwester bewirtschaftet.

Der Diabetes wurde bei ihm diagnostiziert, weil einer seiner grossen Zehen innert weniger Tage plötzlich schwarz wurde und amputiert werden musste. Es wurde routinemässig Blut abgenommen und ein Blutzuckerspiegel in schwindelerregender Höhe gemessen. Als man ihn darauf gründlich durchgecheckt hat, wurde ausserdem festgestellt, dass seine Nierenfunktion durch den vermutlich über Jahre erhöhten Blutzucker schwer geschädigt sind. Alles in allem eine unschöne Situation, die ihn neben vielen anderen Behandlungen und Therapien auch zur Ernährungsberatung geführt hat.

Der Patient sollte sich zur Kontrolle seines Blutzuckerspiegels möglichst ausgewogen ernähren und wegen der schlechten Nierenfunktion auch noch auf seine Kalium- und Phosphatzufuhr achten. Das ist ganz sicher nicht einfach und für die meisten Menschen eine grosse Herausforderungen, welche unbestreitbar auch gewisse Einschränkungen mit sich bringt.

Der Mann lehnte sich jedoch völlig unbeeindruckt zurück und erklärte in aller Seelenruhe, er spüre ja überhaupt nichts, weder von dem Zucker noch von der Niere, weshalb das ja alles nicht so schlimm sein könne. Die Tabletten, die ihm der Nephrologe wegen der zu hohen Kaliumwerte notfallmässig verschrieben hat, wolle er dann irgendwann holen, wenn er das nächste Mal beim Hausarzt sei.

Das Gemeine ist, dass er abgesehen von dem amputierten Zeh wohl wirklich nichts spürt und wenn er dann etwas spüren wird, ist es schon zu spät, um Komplikationen und Folgeerkrankungen zu verhindern.

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