Alltagsgeschichten

Moni-Zeit am Morgen

Mein biologischer Rhythmus entspricht weder dem einer Lärche (Frühaufsteher) noch dem einer Eule (Nachtmensch). Würde man mich in die Tierwelt einordnen wollen, wären wohl Faultier und Siebenschläfer meine engsten Verwandten. Ich brauche sehr viel Schlaf und seit ich Vollzeit arbeite sowieso. Da kann es schon mal vorkommen, dass ich mich um 20 Uhr mit einem Hörbuch ins Bett verkrümle und nach wenigen Minuten eindöse.

Obwohl ich mehr Herdentier als Einzelgängerin bin, brauche ich möglichst jeden Tag Zeit nur für mich selbst. Wenn mir diese Moni-Time über eine längere Zeitspanne hinweg fehlt, fühle ich mich viel schneller gestresst und ausgelaugt.

Meine Arbeit als Ernährungsberaterin macht mir sehr viel Spass, aber sie fordert mich auch. Nicht nur, was das Fachliche betrifft, sondern vor allem auch menschlich. An Arbeitstagen bin ich mit meinen Gedanken permanent nach aussen orientiert. Ich kümmere mich um die Bedürfnisse anderer Menschen, tauche in ihre Welt ein und versuche herauszufinden, was sie brauchen und was ihnen gut tut. Mein Team ist super und ich hätte wohl kein besseres finden können, aber vier bis sechs Frauen auf einem Haufen (mich eingeschlossen), sind nicht zwingend immer flexibel und unkompliziert. Kurz gesagt: Ruhepausen sind dringend nötig.

Abends gehe ich entweder direkt in meine Wohnung oder mache noch einen Abstecher ins Fitnesscenter, bevor ich nach dem Abendessen auch schon gleich wieder ins Bett falle. Deshalb habe ich mir angewöhnt, meinen Wecker bereits auf 6 Uhr morgens zu stellen. Dann habe ich bis zu meinem Arbeitsbeginn um 7.30 Uhr 1.5h Zeit, um in Ruhe wach zu werden und in den Tag hinein zu finden. Diese Stunden am frühen Morgen gehören nur mir alleine und sind echte Freizeit, weil es nichts zu arbeiten oder erledigen gibt.

Natürlich gehören bei mir zwei grosse Tassen Kaffee genauso zum morgendlichen Ritual wie mein flauschiger Bademantel und Musik aus dem Radio. Ich mag es, beim Hellwerden aus dem Fenster zu schauen und zu beobachten, wie das Dorf um mich herum langsam zum Leben erwacht.

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Da ich keine Tageszeitung abonniert habe, schaue ich mir gerne Videos, beispielsweise Dokus, im Internet an und tue so entspannt etwas für meine Allgemeinbildung. Das aktuelle Tagesgeschehen erfährt man da zwar nicht, dafür so einiges über die Menschen und das Leben. Die Nachrichten kann ich mir dann immer noch getrost im Radio anhören oder abends auf dem Weg zum Sport die Newsbildschirme im Bus studieren.

Erholung muss nicht immer nur am Abend stattfinden und das frühere Aufstehen bringt mir viel mehr, als wenn ich abends länger wach wäre. Die Quality time am Morgen lässt mich in der Regel ausgeglichen und stressfrei in den neuen Arbeitstag starten, weil ich zuerst etwas für mich selbst getan habe, bevor ich mich auf die anderen konzentriere.

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