Studiumsgeschichten

Der erste Arbeitstag

Am Donnerstag war es nun also so weit und ich hatte meinen ersten Arbeitstag als Ernährungsberaterin in Ausbildung in einem Schweizer Kantonsspital. Meine kleine, gemütliche Personalwohnung hatte ich am Vortag bezogen und ich fühle mich dort schon richtig wohl. Noch etwas wohler fühle ich mich, seit ich weiss, dass es im Nebengebäude eine jederzeit zugängliche Starbucks-Kaffeemaschine für das Personal gibt. Was will man mehr?

Um Punkt 8 Uhr sollte mich in den neuen Büroräumlichkeiten der Ernährungsberatung einfinden. Was mit Sicherheit einmal toll wird, ähnelt im Moment noch einer Baustelle. Medizinisches Fachpersonal und Handwerker geben sich die Klinken in die Hand und noch weiss niemand so genau, was wo hingehört. Begeistert bin ich allerdings davon, dass für die Studierenden ein eigenes Büro mit elektrisch höhenverstellbaren Stehpulten vorgesehen ist. So lässt es sich arbeiten! Die Büroräumlichkeiten der Ernährungsberatung befinden sich neu in einem Nebengebäude des Haupthauses, sodass bei der Arbeit auf den Stationen für ausreichend Bewegung gesorgt ist.

Da ich den obligaten Einführungstag für sämtliche neuen Mitarbeitenden erst im März nachhole, wurde ich zwischendurch zum Fototermin für den Personalbadge aufgeboten. Dabei lernte ich einen sympathischen Assistenzarzt kennen, der mir, ganz Gentleman, den Vortritt liess. Das Foto ist, naja, so ein richtiges Personalausweisfoto eben. Dafür gehöre ich nun offiziell zur Belegschaft und meine Konsumationen in Personalrestaurant und Cafeteria werden mir direkt vom Lohn abgezogen. Bei meinem Praktikantenlohn und umgekehrt proportional dazu hohen Kaffeekonsum sollte ich wohl aufpassen, dass ich Ende des Monats nicht noch draufzahlen muss.

Am Nachmittag durfte ich dann meine erste Ernährungstherapie vorbereiten und mit meiner Praxisausbildnerin auf die Station. Um 16 Uhr fand eine teaminterne Supervision statt, an der ich ebenfalls teilnehmen durfte. Anschliessend daran zogen wir uns um und ich durfte meine Mitarbeiterinnen an ein interprofessionelles Bariatrie-Board begleiten. Es wurden Patientinnen und Patienten besprochen, die für einen chirurgischen Eingriff zur Gewichtsreduktion vorgesehen sind. Anwesend waren Chirurgen, Internisten, ein Endokrinologe, ein Gastroenterologe, Psychologen sowie mehrere Ernährungsberaterinnen. Mega spannend! Danach ging es nahtlos weiter mit einer interprofessionellen Weiterbildung zum Thema Post (Gastric) Bypass Hypoglycemia. Einfach ausgedrückt geht es damit um Blutzuckerabfälle, welche bei (Magen-)Bypass Patienten nach der Nahrungsaufnahme entstehen können. Eine adäquate Ernährung ist dabei die Therapie erster Wahl.

Während des Vortrags gab’s die Vorspeise und anschliessend eine leckere Hauptspeise sowie ein Dessert. Alles gesponsert von einer Pharmafirma. So lässt es sich dinnieren. Für mich war es eine ideale Gelegenheit, mein Team etwas näher kennenzulernen sowie Bekanntschaft mit Teilen der Ärzteschaft zu machen.

Eine Arbeitskollegin und ich machten uns schliesslich zu Fuss auf den Heimweg zum nahegelegenen Personalhaus. Da weder sie noch ich über einen wirklich ausgeprägten Orientierungssinn verfügt, landeten wir schliesslich auf der Rasenfläche hinter den Leitplanken entlang der Hauptstrasse. Um 22.20 Uhr kam ich schliesslich hundemüde aber happy in meiner kleinen Wohnung an.

 

 

Studiumsgeschichten

Bachelorthesis Version 1.0

Ich kann es grad gar nicht richtig fassen. Die Rohversion meiner Bachelorarbeit steht. Bis auf den Abstract habe ich sämtliche Kapitel geschrieben. Ich habe etwas, das ich abgeben kann. Es ist (noch) nicht perfekt, aber zumindest vollständig. Wer hätte das gedacht? Also ich nicht. Moni kriegt’s auch noch hin.

Ein paar liebe Heinzelfrauchen und Heinzelmännchen haben sich zur Verfügung gestellt, meine Arbeit durchzulesen und mir ein Feedback zu geben. Ich kann sie so langsam nicht mehr sehen und bin für einige Fehler und Unachtsamkeiten mittlerweile vermutlich total arbeitsblind.

Aufgrund ihrer Rückmeldungen und des Leitfadens mit den Beurteilungskriterien geht es nun ans Überarbeiten. Es stellt sich die Frage, wie viel Zeit und Energie ich noch investieren soll. Das Thema ist ein Fass ohne Boden. Man könnte noch tausend Seiten mehr schreiben, dutzende Aspekte zusätzlich in die Diskussion einfliessen lassen. Ich will eine gute Arbeit abliefern. Das Thema ist mir wichtig und ich würde mir mit der Bachelorarbeit nur ungern meinen Notenschnitt ruinieren. Auf keinen Fall will ich sie aber nochmal schreiben. Es muss aber auch keine Sechs werden (Achtung: Die höchste Note im Schweizer Bewertungssystem!). Dafür reichen mein Elan und meine Energie vermutlich ohnehin nicht mehr aus und das ist es mir ehrlich gesagt auch nicht wert. Ich sehne den Tag herbei, an dem ich sie abgebe. An diesem Tag wird eine grosse Last von mir fallen und ich werde wieder viel freier über meine Zeit verfügen können. Eine Fünf wäre cool, aber schlussendlich reicht auch eine Vier. Hauptsache bestanden. Die Perfektionistin in mit gibt sich der Realistin geschlagen und verbündet sich mit der Moni, die sich nach Ferien und mehr Luft zum Atmen sehnt.

 

Studiumsgeschichten

Vom Ersti zur Fachperson

Gestern haben meine lieben Mitstudierenden ihre Bachelorarbeiten öffentlich präsentiert und verteidigt. Da ich meine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen etwas später abgeben darf, konnte ich den gestrigen Tag ganz entspannt angehen und mich von den neusten Erkenntnissen aus dem Bereich der Ernährung und Diätetik berieseln lassen. Sooooo spannend!

Vor knapp drei Jahren war unser Erstsemestrigentag. Wir trafen uns als ein zusammengewürfelter Haufen von angehenden Studentinnen und Studenten. Wir hatten uns in dem zweistufigen Aufnahmeverfahren gegen die Konkurrenz durchgesetzt und standen motiviert am Anfang unserer Ausbildung zu Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberatern auf Fachhochschulniveau. Alles nervös, die meisten etwas schüchtern. Beim Apéro traute sich niemand, auch nach den „ungesunden“ Snacks zu greifen. Lieber knabberte man, wie es sich als ERB gehört, an einer Karotte.

Bei den Präsentationen gestern standen nun bestens ausgebildete Fachpersonen vor ihren wissenschaftlichen Postern und haben ihr hart erarbeitetes Wissen weiter gegeben. Aufgrund unseres umfassenden Ernährungswissens sind wir nicht nur in der Lage, untereinander unser Fachwissen zu diskutieren, sondern unsere Haltung und Meinung auch gegenüber der Ärzteschaft und anderen Professionen im Gesundheitswesen zu vertreten. Wir können stolz auf uns sein! Wir haben den „Mount Bachelor“ erklommen und sollten nun eine Weile die Aussicht von der Bergspitze geniessen, bevor wir unser Wissen in die Welt hinaus tragen.

Beim anschliessenden Apéro wurde denn auch fleissig Sekt getrunken. Schliesslich haben wir in den drei Jahren auch gelernt, Feste zu feiern, wie sie fallen und das Essen eben nicht nur für Nährstoffzufuhr, sondern auch für Genuss und Lebensqualität steht.

Auf eurem weiteren Weg wünsche ich von Herzen alles Gute! Da wir eine kleine Berufsgruppe sind, sieht man sich bestimmt am einen oder anderen Kongress wieder. Und wer weiss, vielleicht werden einige von uns später sogar Arbeitskolleginnen und -kollegen.

 

Alltagsgeschichten, Studiumsgeschichten

Die Reifeprüfung

Facebook hat mich heute Morgen beim Aufwachen dankenswerterweise daran erinnert, dass ich mich scheinbar genau heute vor sieben Jahren für meine Maturfeier aufgebrezelt hatte. Vier Jahre Gymnasium waren zu Ende und ich ging davon aus, dass ich mit der Vorbereitung auf die Matura den Stress meines Lebens hinter mir hatte. Leider nein.

Damals dachte ich wirklich, ich wäre jetzt erwachsen, oder müsste es mit meinen 19 Jahren und der Reifeprüfung in der Tasche zumindest sein. Ich dachte, ich wäre nun perfekt aufs Leben vorbereitet und würde fortan als gebildete Erwachsene durch die Welt gehen. Im Studium würde mit Sicherheilt alles viel leichter werden, weil man da ja nur noch Fächer hat, die einem wirklich interessieren und für die man gerne jede Sekunde Freizeit opfert. Leider nein.

Wenn mir damals jemand gesagt hätte, was in den kommenden sieben Jahren auf mich zukommt, ich hätte es nicht geglaubt. Das erste Jahr nach der Matura war toll. Ich habe ein Zwischenjahr eingelegt, bei einem sechsmonatigen Praktikum in der Pflege zum ersten Mal Gefallen am Arbeitsumfeld Krankenhaus gefunden und mit meiner besten Freundin zwei Monate in den USA verbracht. ^Das war bisher das Abenteuer meines Lebens und eine grossartige, unvergessliche Zeit, die ich auch für immer mit Erinnerungen an aussergewöhnliche Menschen aus allen Ländern der Welt verbinden werde.

Die sechs Jahre danach waren ein ständiges Auf und Ab. Ich, die in ihrer bisherigen Schulkarriere fast ausschliesslich gute Noten gehabt hatte, musste auf die harte Tour lernen, dass man mit Einsatz und Fleiss nicht alles erreichen kann. Egal, wie sehr man es sich wünscht. Ich musste lernen, dass das Leben sich nicht immer an die eigenen Pläne hält und dass Glück und Unglück nicht immer fair verteilt sind.

Es ist nicht die Matura, die mich hat reifen lassen. Es ist das Leben danach. Es sind die Menschen, die mich dabei begleitet haben. Durch sie und mit ihnen bin ich gewachsen und reifer geworden. Sie haben mich geprägt. So richtig erwachsen fühle ich mich noch immer nicht, aber darum geht es wohl auch nicht.

Wenn ich mich mit dem Mädchen von September 2010 vergleiche, dann bin ich heute viel eher eine Frau. Ich bin zwar noch lange nicht angekommen, aber ich weiss viel besser, wer ich bin, was ich möchte und was nicht. Meine Sicht auf das Leben hat sich stark verändert. Die Moni von heute ist nicht mehr die Moni von damals und das ist gut so.

Ich sollte wohl öfter Facebook konsultieren, wenn ich wieder einmal das Gefühl habe, in meinem Leben würde sich gar nichts tun und ich wäre immer noch gleich weit wie vor einigen Jahren. Das scheint mir sehr heilsam zu sein.

Maturfeier

Studiumsgeschichten

Die (hoffentlich) letzte Prüfung

Am Freitag war es soweit: Die (hoffentlich) letzte Prüfung meines Bachelorstudiums. Wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass dieser Tag jemals kommt? Also ich nicht. Ich schreibe hoffentlich in Klammern, weil ich das Prüfungsresultat noch nicht bekommen habe und man weiss ja nie. Das Bauchgefühl kann einem auch mal einen Streich spielen. Alles schon passiert.

Im Voraus war ich mir sehr unsicher, wie ich diese Prüfung einzuordnen habe. Man konnte sie einerseits relativ gut vorbereiten und andererseits bestand sie aus einer Reihe von Unbekannten. Da ich die Tage davor noch halb krank war, hielt sich die investierte Vorbereitungszeit bei mir sehr in Grenzen. Dass es sich um eine mündliche Prüfung handelte, machte mich zusätzlich nervös. Ich bevorzuge bekanntlich Multiple Choice.

Die ersten 45 Minuten der finalen Prüfung beinhalteten eine von mir durchgeführte Ernährungsberatung. Die Klientin, eine 35-jährige Frau mit neu diagnostiziertem Schwangerschaftsdiabetes, wurde von einer Schauspielerin mit aufblasbarem Kunstbauch gespielt. Die Fallbeschreibung hatten wir eine Woche zuvor erhalten und uns entsprechend mit Hilfsmitteln auf die Beratung vorbereiten können. Eine Gestationsdiabetikerin kam mir sehr entgegen, da ich solche Fälle auch schon in einigen meiner Praktika beraten hatte. Es hätte also weit schlimmer kommen können.

Die Beratung fand in einem Raum mit verspiegelter Glasscheibe statt (ähnlich wie bei CSI). Die beurteilenden Dozentinnen sassen auf der anderen Seite der Scheibe und konnten mich genau beobachten, während ich sie nicht sah. Auf dem Tisch stand ein Mikrofon, welches die ganze Sequenz aufzeichnete und mir gegenüber war eine Kamera, die fleissig alles mit filmte. Big Brother is watching you. Von allen Seiten.

Zu Beginn der Beratung war ich entsprechend nervös, aber die Klientin war zum Glück relativ aufgeschlossen und wir fanden relativ schnell eine gute Gesprächsebene, um uns zu unterhalten. Ich macht eine ausführliche Anamnese, um mir ein Bild der Gesamtsituation der viel beschäftigten werdenden Mutter machen zu können. Meiner Schätzung nach hatte die Anamnese etwa 15-20 Minuten gedauert, doch als ich verstohlen auf meine Uhr schielte, stellte ich erschrocken fest, dass mir für die Informationsvermittlung nur noch gut zehn Minuten blieben. Schei***! „Ruhig bleiben, dir nichts anmerken lassen, Prioritäten setzen, die Beratung zu Ende bringen.“ Das waren etwas die Stichworte, mit denen ich mich selber zu beruhigen versuchte. Ich kann bis jetzt nicht sagen, ob die Klientin gemerkt hat, dass ich unter Zeitdruck war oder nicht. In der verbleibenden Zeit konnte ich ihr noch die wichtigsten Informationen mitgeben, doch mein Fachinput war definitiv zu knapp. Mit ein oder zwei Minuten Verzögerung schloss ich die Beratung ab und verabschiedete die Klientin. Hallelujah, der für mich schlimmste Teil war geschafft!

Anschliessend hatte ich eine Stunde Zeit, um im stillen Kämmerlein meine Beratung anhand des Ernährungstherapeutischen Prozesses (ETP) zu reflektieren und zusätzlich eine Verknüpfung zu einem sozial-kognitiven Prozessmodell (HAPA-Modell) zu erarbeiten. Ich atmete also erst ein paar Mal tief ein und aus und machte mich dann daran, mein Vorgehen und den Beratungsablauf zu reflektieren. Reflektiert haben wir in den letzten drei Jahren zu genüge. Ich habe schon vorgeschlagen, unseren Studiengang von „Ernährung und Diätetik“ auf „Ernährung und Reflexion“ umzubenennen.

Nach den 60 Minuten Vorbereitungszeit ging’s zum Fachgespräch mit den zwei Dozentinnen. Sie stellten Fragen, ich konnte das Gespräch aber auch selber ein wenig lenken, in dem ich redete und redete und redete und einfach alles erwähnte, was mir irgendwie wichtig erschien. Kurz peinlich wurde es, als man mich fragte, wie viele Wochen man denn schwanger sei und ich mir bei der Antwort äusserst unsicher war. Neun Monate, klar, aber Wochen…38 bis 40, je nachdem, ab wann gerechnet wird? Verrechnet habe ich mich anschliessend auch noch, aber ich will ja auch nicht den Bachelor in Mathematik sondern in Ernährung. Die dreissig Minuten Fachgespräch vergingen wie im Flug und ich fühlte mich bis auf die oben beschriebenen Pannen einigermassen kompetent.

Als die Uhr gestoppt wurde, konnte ich nicht anders, als über das ganze Gesicht erleichtert zu strahlen. Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen und zum ersten Mal seit langer, langer Zeit (oder zum ersten Mal überhaupt), hatte ich wirklich das Gefühl, dass das Studium bald ein Ende nimmt und der Abschluss in absehbarer Zeit über die Bühne geht. Endlich!

Die drei Jahre in Bern waren super und ich werde viele meiner Mitstudierenden und die tolle Atmosphäre in der Kohorte sehr vermissen, aber gerade das vergangenen Semester hat extrem an meinen Kräften gezehrt und ich sehne den Abschluss herbei. Freie Abende und freie Wochenenden: Ich freue mich auf euch!

Spitalgeschichten, Studiumsgeschichten

Zwei Wege

Zum Thema Entscheidungsfindung habe ich an unserem Beratungswochenende ein Gedicht von Robert Frost präsentiert. Wir haben es im Gymnasium einmal analysiert und ich habe schon damals grossen Gefallen daran gefunden. Zufällig bin ich vor einigen Wochen wieder darüber gestolpert und ich fand, dass es nicht nur perfekt zu diesem Wochenende, sondern auch zu meiner aktuellen Lebenssituation passt.

The Road Not Taken (Robert Frost)

 

Two roads diverged in a yellow wood,

And sorry I could not travel both

And be one traveler, long I stood

And looked down one as far as I could

To where it bent in the undergrowth;

 

Then took the other, as just as fair,

And having perhaps the better claim,

Because it was grassy and wanted wear;

Though as for that the passing there

Had worn them really about the same,

 

And both that morning equally lay

In leaves no step had trodden black.

Oh, I kept the first for another day!

Yet knowing how way leads on to way,

I doubted if I should ever come back.

 

I shall be telling this with a sigh

Somewhere ages and ages hence:

Two roads diverged in a wood, and I—

I took the one less traveled by,

And that has made all the difference.

Im Moment stehe ich an einer Weggabelung, wie der Wanderer in dem Gedicht. Ich weiss noch nicht, ob ich nach rechts oder nach links gehe. Stehenbleiben ist jedenfalls keine Option. Egal, welche Abzweigung ich wähle, es wird die richtige sein, solange ich sie strammen Schrittes gehe und voll hinter meiner eigenen Entscheidung stehe. Ein Zurück gibt es nicht. Dessen muss ich mir bewusst sein.

 

In meinem Studium, in welchem wir nicht nur zu Ernährungsfachpersonen sondern auch zu Beraterinnen und Beratern ausgebildet werden, haben wir uns im letzten Semester mit unserem eigenen Menschenbild auseinandergesetzt. Folgender Satz hat mich dabei besonders angesprochen:

„Die Menschen sind jederzeit Experte für ihr Leben und können dieses so deuten, dass Bedürfnisse, Wünsche und Ziele benannt werden können.“

Ich glaube, dass jeder Mensch spürt, was er braucht, wenn man ihn lässt. Oft fehlen uns Ruhe und Gelassenheit, um Sachverhalte sacken zu lassen. Das Bauchgefühl braucht Zeit und Raum, um sich zu äussern und Gehör zu verschaffen. Mit etwas Training gelingt der Zugang zur eigenen Intuition irgendwann vielleicht einfacher. Doch es braucht Übung und auch etwas Mut, um darauf zu vertrauen und sich nicht von äusseren Einflüssen davon abbringen zu lassen.

In vielen Situationen bin ich ein ziemlich kopfgesteuerter Mensch. Zur Entscheidungsfindung brauche ich Fakten und schreibe Pro-und-Kontra-Listen, um die ideale Lösung zu finden. Doch die ideale Lösung gibt es nicht immer und statistische Zahlen sind letztendlich doch nur Zahlen. Es geht nicht um die Frage, was perfekt ist, sondern darum, welcher Weg für mich gangbar ist und was ich brauche, um ihn zu bewältigen. Egal, wohin er letztendlich führt.

 

 

 

 

Studiumsgeschichten

Hintergrundgeräusche

Zurzeit hocke ich hauptsächlich in meinem stillen Kämmerlein und schreibe an meiner Bachelorarbeit. Auch wenn ich die ruhige Arbeitsatmosphäre in meinem Büro schätze, ist es mir manchmal fast zu still.

Von Musik lasse ich mich beim Schreiben zu sehr ablenken, weil ich dann entweder den Text mitsinge oder in meinen Gedanken versinke. Manchmal lasse ich mir deshalb nebenbei auf meinem alten Laptop (welchen man wirklich nur noch fürs DVD-schauen brauchen kann) meine Lieblingsserie „Gilmore Girls“ laufen. Da kenn ich jede Folge auswendig. Wenn ich mich nicht allzu sehr auf meine Arbeit konzentrieren muss, kann ich nebenbei den Dialogen folgen oder ich lasse mich einfach passiv von ihrer guten Laune und ihrem exzessiven Kaffeekonsum berieseln.

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Links Bachelorarbeit, rechts „Gilmore Girls“, in der Mitte ein Energy Drink.

Ob diese Arbeitsweise nun lerntheoretisch sinnvoll ist, sei dahingestellt, aber mir hilft es, motiviert zu bleiben.