Alltagsgeschichten

Teurer Aushilfsjob

Heute war mein erster Tag als Weihnachtsaushilfe in einem Laden, in dem hauptsächlich Bücher verkauft werden. Meine Hauptaufgabe besteht darin, an der Kasse zu stehen und die Kundinnen und Kunden zu bedienen. Um mich mit dem Sortiment wenigstens grob vertraut zu machen, gab mir die Chefin heute Morgen erstmal eine Viertelstunde Zeit, um mich in Ruhe im Laden umzusehen. Bereits nach wenigen Minuten war mir klar, dass dieser Kurzzeitjob mich ein Vermögen kosten würde: Ich wollte gefühlt jedes dritte Buch kaufen und hätte mich am liebsten sofort lesend in eine Ecke gesetzt. Dass ich Mitarbeiterrabatt bekomme, macht die Sache nur noch verlockender.

Wohngeschichten

Offline

In meiner ersten Woche im Personalhaus hatte ich, abgesehen von meiner Handyflatrate, kein Internet. Ich gebe es zu, im Vorfeld hat mich das echt gestresst. Eine Woche ohne W-Lan!?

Anschliessend hat es mich genervt, dass ich mir den Kopf darüber zerbreche, für fünf Abende nicht unbeschränkt im World Wide Web surfen und mich so beschäftigen zu können. Ich will doch nicht wirklich von etwas virtuellem, nicht realem abhängig sein. Ganz abgesehen davon, dass ich (mit Ausnahme von Kaffee vielleicht) von gar nichts abhängig sein möchte.

Ich arbeite jeweils von sieben bis sechzehn Uhr, sodass meine Abende im Personalhaus relativ lang sind. Zum Glück bin ich an einem Ort in der Schweiz gelandet, den ich noch so gut wie gar nicht kenne und der bei dem aktuell traumhaften Herbstwetter eine ideale Kulisse für lange Spaziergänge bietet. Herrlich!

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Wenn ich dann zurück komme, bereite ich mir in alle Ruhe ein kleines Abendessen vor und geniesse es mit Blick aus dem Fenster und auf die Berge. Keine Ablenkung durch TV oder Facebook und Co.

Abwaschen, duschen, Schlabberlook anziehen, Tee kochen und danach habe ich immer noch so richtig viel Zeit für so etwas Tolles wie…ein Buch! Ich weiss nicht, wann ich zum letzten Mal die Zeit und die Muse hatte, um vierhundert Seiten in fünf Tagen zu lesen, aber ich werde es wieder tun.

Ich will hier keine Predigt über das böse Internet und die „Genereation online“ halten, aber ich hatte schon das Gefühl, dass ich abends beim Lesen und ohne Musik oder andere Hintergrundgeräusche sehr gut abschalten konnte. Auch das Einschlafen fiel mir nicht schwer, sodass ich am Morgen trotz Erkältung jeweils erholt und fit für den neuen Tag war.

Alltagsgeschichten, Pendeln

Arbeitsweg Teil 1 – Pendeln mit dem Zug

Vor knapp zwei Jahren bin ich extra nach Bern gezogen, damit ich nicht jeden Tag knapp vier Stunden Zug fahren muss, um von meinem Elternhaus zur Fachhochschule und zurück zu gelangen.

Im Rahmen unserer Ausbildung absolvieren wir mindestens sechs Praktika, welche in der gesamten Schweiz verstreut sein können. Seit Montag bin ich für vier Wochen in einem Regionalspital in der Ostschweiz. Da ich mir für vier Wochen kein Personalzimmer oder eine andere Unterkunft in der näheren Umgebung meines Praktikumsorts suchen wollte, nehme ich einen etwas längeren Arbeitsweg in Kauf. Mit dem Zug brauche ich knapp 1 Stunde und 40 Minuten, inklusive dreimal umstiegen. Abgesehen davon, dass man relativ früh aufstehen muss, um pünktlich um acht bei der Arbeit zu sein, besteht der allmorgendliche Nervenkitzel darin, ob man alle Anschlüsse rechtzeitig erwischt und ohne Zwischenfälle ankommt. Für die begrenzte Zeitdauer ist das machbar und pendeln hat auch etwas für sich.

Die Strecke, die ich fahren muss, ist zum Glück nicht so stark ausgelastet, es gibt in den Zügen immer freie Plätze und meistens habe ich sogar ein Viererabteil für mich. Am Morgen hole ich mir beim Umsteigen auf den Bahnhöfen einen schönen heissen Kaffee. Ein Muss! Ich finde es immer schön, wenn man am Kaffeestand von einem freundlichen Gesicht begrüsst wird und einen schönen Tag gewünscht bekommt. Da fängt der Tag gleich gut an.

Unter dem Semester habe ich kaum Zeit und Muse, um ein Buch zu lesen. Lesen muss ich für das Studium den ganzen Tag genug und den Fernseher einzuschalten oder im Internet eine Serie anzuschauen braucht weniger Konzentration, als der Handlung eines komplexen Krimis zu folgen. Zufällig ist vor zwei Wochen mein iPod ausgestiegen und so habe ich im Zug statt Musik gehört gelesen. Innert kürzester Zeit habe ich zwei Bücher verschlungen. Zwischendurch kann man dabei immer mal wieder aus dem Fenster sehen oder den Gesprächen der Mitreisenden lauschen. Herrlich entspannend.

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Nach einem (anstrengenden) Arbeitstag brauche ich auf dem Nachhauseweg unbedingt nochmal einen Kaffee. Er hilft mir, mich zu entspannen und mich auf den Feierabend einzustellen. An schönen warmen Tagen darf der Kaffee ruhig auch kalt sein. Hauptsache Koffein!

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Alltagsgeschichten

Selbstbestimmung

„Und da erkannte ich das Geheimnis: Die Geschichten sind tatsächlich schon geschrieben, aber wir können sie verraten und uns mit dazu. Wir können so leben, wie wir glauben, leben zu müssen oder nicht anders leben zu können, doch es wird immer ein Leben geben, wie es für uns gemeint ist; es ist jenes, das uns am glücklichsten macht und das uns zu unserer wahren Grösse erhebt; was auch immer der Preis dafür sein möge und wie viel auch immer wir dafür auf uns nehmen müssen.“ (Thomas Meyer, Wolkenbruchs wundersame Reise in die Arme einer Schickse)

Thomas Meyers Bestseller über einen jungen Zürcher Juden auf der Suche nach der Frau fürs Leben ist leicht und unterhaltsam geschrieben, doch mit diesem Absatz hat der Autor etwas angesprochen, was für mich in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen hat.

Es geht nicht immer nur darum, allen anderen zu gefallen und stets zu tun, wovon man glaubt, dass es von einem erwartet wird. Meiner Meinung nach sind wir in den Momenten am glücklichsten, in denen wir zu hundert Prozent uns selbst und damit authentisch sein können. Für sich und seine eigenen Bedürfnisse einstehen zu können ist eine der grössten menschlichen Stärken. Wenn wir mit uns und unseren Entscheidungen im Reinen sind, so werden sie die Menschen, denen wir wirklich wichtig sind, auch mit uns tragen.

Ich glaube an ein Schicksal und dass gewisse Dinge im Leben vorgegeben sind und wir diese hinnehmen müssen. Doch wie wir damit umgehen, bleibt uns selber überlassen. Manchmal müssen wir dafür Umwege gehen oder gar mühsame Aufstiege in Kauf nehmen, doch am Ende hat es sich immer dann gelohnt, wenn wir den Weg gewählt haben, auf dem wir uns selbst geblieben sind.

Studiumsgeschichten

Gesammeltes Wissen

Bekanntlich habe ich in meinem Leben Ausbildungstechnisch schon einiges ausprobiert. Zum dritten Mal bin ich im zweiten Semester – wohl bemerkt jedes Mal in einem anderen Studiengang. Da sammelt sich nicht nur eine Menge (Halb-)Wissen, sondern auch einiges an Fachliteratur an. „Der Campbell“ war unsere „Biologie-Bibel“ an der ETH, gefolgt von über 1’000 Seiten Biochemie-Wissen im „Voet“. Hier in Bern erweitern wir unseren Horizont indes mit dem „Horn“ und dem „Wardlaw“.

Ich finde diese Bücher super, sie sind dick und schwer und wirken schon deshalb unheimlich wichtig – wie Bibeln oder andere religiöse Schriften eben. Das Problem ist nur, dass der Glaube an den Inhalt allein nicht reicht und dass ich noch immer nicht herausgefunden habe, wie sich dieses Wissen von selbst und bestenfalls über Nacht in meinem Gehirn abspeichert.