Studiumsgeschichten

Knacknüsse

Ich gehöre zu den Menschen, die es am Liebsten immer allen recht machen würden. Wenn sich jemand mir gegenüber ablehnend verhält oder ich das Gefühl habe, dass mich mein Gegenüber nicht mag, verunsichert mich das extrem.

Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht alle Patienten Freudensprünge machen, wenn sie im Krankenhaus liegen und die Ernährungsberatung kommt. Meist liegt das gar nicht an der Ernährungsberatung an sich, sondern an der Gesamtsituation. Sie haben Schmerzen, wurden mit einer schlimmen Diagnose konfrontiert oder sehen einer ungewissen Zukunft entgegen. Da wäre wohl niemand in Hochstimmung.

Neben fachlicher und methodischer Kompetenz muss ich in meiner (praktischen) Ausbildung zur Ernährungsberaterin vor allem noch lernen, nicht alles persönlich zu nehmen. In der Regel haben die Patienten nichts gegen mich persönlich, sondern höchstens gegen meine Profession, wenn sie sich mir gegenüber von Anfang an ablehnend oder gar ungehalten verhalten. Es ist ihr gutes Recht, meine professionelle Unterstützung abzulehnen. Helfen würde ich trotzdem gerne.

Gerade bei einem Krankenhausaufenthalt in einer Akutsituation kann jeder Tag anders sein. Die Patientinnen und Patienten befinden sich weit ausserhalb ihrer „Wohlfühlzone“ und manchmal dauert es eine Weile, bis sie sich in der fremden Umgebung einigermassen zurecht finden und sich aufgehoben fühlen.

In meinem aktuellen Praktikum habe ich es bereits zweimal erlebt, dass Patientinnen, die beim Erstkontakt ziemlich forsch und ablehnend waren, schon beim zweiten Gespräch Vertrauen gefasst und sich auf die Ernährungstherapie eingelassen haben. Diese Momente sind für mich besonders bereichernd und haben mir eindrücklich vor Augen geführt, dass es sich oft lohnt, dran zu bleiben und einem Menschen eine zweite Chance zu geben.

Entscheidend ist dabei auch die Einstellung, mit der ich nach einem „misslungenen“ Erstkontakt beim zweiten Gespräch auf die Patienten zugehe: So neutral wie möglich und mit der gleichen Motivation wie beim ersten Mal. Leicht fällt mir das nicht, aber ich arbeite daran.

Spitalgeschichten

Drei Ärzte, sieben Meinungen

Mal ganz abgesehen davon, dass es generell keinen Spass macht, krank oder verletzt zu sein, ist das Amt der Patientin auch ungeheuer fordernd und anstrengend. Man trägt eine grosse Verantwortung. Für sich selbst. Niemand anderes trifft letztendlich die Entscheidungen, was mit dem eigenen Körper gemacht wir und was nicht. Doch woher soll man wissen, was richtig ist?

Man holt sich zunächst Rat bei den Ärzten. Vom Unterassistenten über den Oberarzt bis zum Klinikleiter hat jeder seine eigenen Ansichten und Theorien. Sie alle haben Medizin studiert, sie alle haben mehr oder weniger Berufserfahrung und in mir die exakt gleiche Patientin vor sich. Man fragt drei Ärzte und bekommt sieben Meinungen. Die Medizin ist also definitiv nicht die Wissenschaft der Eindeutigkeiten. Schon klar.

Wenn ich jedes Mal fünf Franken bekommen hätte, wenn ich gestern während einer dreistündigen Untersuchung vom Arzt die Worte „vielleicht“, „Möglichkeit“ oder „Hypothese“ gehört habe, dann wäre ich heute eine reiche Frau. Sehr reich. Wenn also ein erfahrener Oberarzt schon nicht weiss, was richtig ist, woher soll ich es dann wissen?

Es gibt Möglichkeiten, zum Glück. Sie reichen von der täglichen Einnahme eines Medikaments über einen ambulanten Eingriff bis zu einer weiteren grossen Operation.

Natürlich entscheidet man sich zuerst für das kleinste Übel und schmeisst sich die Tablette ein. Die Hoffnung stirbt zuletzt.