Studiumsgeschichten

Vom Ersti zur Fachperson

Gestern haben meine lieben Mitstudierenden ihre Bachelorarbeiten öffentlich präsentiert und verteidigt. Da ich meine Arbeit aus gesundheitlichen Gründen etwas später abgeben darf, konnte ich den gestrigen Tag ganz entspannt angehen und mich von den neusten Erkenntnissen aus dem Bereich der Ernährung und Diätetik berieseln lassen. Sooooo spannend!

Vor knapp drei Jahren war unser Erstsemestrigentag. Wir trafen uns als ein zusammengewürfelter Haufen von angehenden Studentinnen und Studenten. Wir hatten uns in dem zweistufigen Aufnahmeverfahren gegen die Konkurrenz durchgesetzt und standen motiviert am Anfang unserer Ausbildung zu Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberatern auf Fachhochschulniveau. Alles nervös, die meisten etwas schüchtern. Beim Apéro traute sich niemand, auch nach den „ungesunden“ Snacks zu greifen. Lieber knabberte man, wie es sich als ERB gehört, an einer Karotte.

Bei den Präsentationen gestern standen nun bestens ausgebildete Fachpersonen vor ihren wissenschaftlichen Postern und haben ihr hart erarbeitetes Wissen weiter gegeben. Aufgrund unseres umfassenden Ernährungswissens sind wir nicht nur in der Lage, untereinander unser Fachwissen zu diskutieren, sondern unsere Haltung und Meinung auch gegenüber der Ärzteschaft und anderen Professionen im Gesundheitswesen zu vertreten. Wir können stolz auf uns sein! Wir haben den „Mount Bachelor“ erklommen und sollten nun eine Weile die Aussicht von der Bergspitze geniessen, bevor wir unser Wissen in die Welt hinaus tragen.

Beim anschliessenden Apéro wurde denn auch fleissig Sekt getrunken. Schliesslich haben wir in den drei Jahren auch gelernt, Feste zu feiern, wie sie fallen und das Essen eben nicht nur für Nährstoffzufuhr, sondern auch für Genuss und Lebensqualität steht.

Auf eurem weiteren Weg wünsche ich von Herzen alles Gute! Da wir eine kleine Berufsgruppe sind, sieht man sich bestimmt am einen oder anderen Kongress wieder. Und wer weiss, vielleicht werden einige von uns später sogar Arbeitskolleginnen und -kollegen.

 

Studiumsgeschichten

Konkurrenz unter Freunden

Im Herbst 2014 haben wir uns kennengelernt. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von 55 Erstsemesterstudenten aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz. In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind wir zu einer Kohorte zusammengewachsen: ERB 14.Wir haben zusammengehalten, uns gegenseitig unterstützt, Freundschaften geschlossen.

In unserem Studiengang gibt es keine Durchfallquoten. Wir werden nach einem zweistufigen Aufnahmeverfahren zum Studium zugelassen mit dem Ziel, dass möglichst alle nach drei Jahren den Abschluss machen. Ein Minimum an Konkurrenz entsteht da höchstens bei der Zuteilung zu den beliebtesten Praktikumsplätzen. Dort entscheidet das Los. Ende der Geschichte.

Nun hat sich etwas verändert. Der Bachelor naht und damit auch der baldige Einstieg ins Berufsleben. Bevor wir uns diplomierte Ernährungsberaterin beziehungsweise diplomierter Ernährungsberater nennen dürfen, müssen wir noch einmal ein zehnmonatiges Praktikum absolvieren. Dafür sind wir aktuell auf Stellensuche. Einige haben bereits einen Platz gefunden, andere stecken mitten im Bewerbungsverfahren. Plötzlich stehen wir uns als Konkurrenten gegenüber. Wir wollen zur gleichen Zeit die gleiche Stelle. Unbedingt. Willkommen auf dem Arbeitsmarkt!

Wir befinden uns alle auf dem exakt gleichen Ausbildungsstand und bringen daher praktisch identische Vorkenntnisse mit. Unterscheiden tun wir uns durch unsere Vorbildung, unsere speifischen Interessen und unsere Persönlichkeit. Insbesondere durch letztere gilt es zu überzeugen.

Für mich ist das ziemlich belastend und ich empfinde die Grundstimmung in der Kohorte als (unterschwellig) angespannt. Wer hat sich wo beworben? Wurde er oder sie bereits zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen? Warum sie und ich nicht? Habe ich überhaupt eine Chance, wenn er sich dort auch beworben hat? Bäh! So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt.

Ich bin ein harmoniebedürftiges Herdentierchen und kann mich selber nicht ausstehen, wenn ich anderen gegenüber Missgunst empfinde. Besonders dann nicht, wenn ich diese Personen eigentlich gerne mag und mir nur das Beste für sie wünsche. Solange es eben nicht die Praktikumsstelle ist, die ich selber gerne besetzen möchte.

Was bin ich froh, wenn dieser ganze Bewerbungszirkus hoffentlich bald ein Ende hat und wir uns gegenseitig Mut für die Abschlussprüfung machen und bei der Erarbeitung der Bachelorarbeit unterstützen können. Miteinander statt gegeneinander.

 

Studiumsgeschichten

Schwimmen lernen im Spital

Letzte Woche durfte ich in meinem Praktikum so richtig loslegen und zum ersten Mal in meiner noch jungen Laufbahn als (angehende) Ernährungsberaterin klinisch arbeiten. Ich habe wiederholt eigene Patienten auf der Station ernährungstherapeutisch betreut, Berichte geschrieben und mich mit Ärzten und Pflege ausgetauscht. So cool! Gefühlsmässig bin ich definitiv im richtigen Job angekommen.

Dadurch, dass mir so viel zugetraut wurde und ich oft selbständig arbeiten durfte, wurde mir jedoch auch die grosse Verantwortung bewusst, die nun auf meinen Schultern lastet. Aus Fallbeispielen an der Uni wurden reale Patienten im Spital. Die meisten von ihnen haben nicht nur eine Krankheit sondern gleich mehrere und mit den Medikamentenlisten könnte man ganze Zimmer tapezieren. Entgleister Diabetes, chronische Niereninsuffizienz und mangelernährt. Halleluja! Dass ich mit einer falschen Ernährungstherapie jemanden umbringe ist (zum Glück) eher unwahrscheinlich, aber es besteht doch die Möglichkeit, dass ich durch mein Tun oder Nicht-Tun einen negativen Einfluss auf die Behandlung ausübe.

Ich glaube, auf dem aktuellen Stand meiner Ausbildung ist es wichtig, dass ich die Grenzen meiner Kompetenz kenne und bei Unsicherheiten bei meiner Praxisausbildnerin nachfrage und mir rechtzeitig Hilfe hole. Es ist aber auch Zeit, dass ich lerne, meine Rolle als Fachperson wahrzunehmen und mir gewisse Kompetenzen zuzutrauen. Damit habe ich im Moment noch Mühe und ich muss lernen, dass ich mich nicht auf jede Beratung stundenlang vorbereiten und alle möglichen Szenarien durchexerzieren kann. Schwimmen lernt man eben doch nur im Wasser und ohne Rettungsring und doppelten Boden. Manchmal sieht man dabei vermutlich nicht besonders elegant aus und muss auch mal ziemlich mit den Armen rudern, um nicht zu ertrinken, aber es wird mit jedem neuen Versuch besser.

Studiumsgeschichten

Diabetes für Anfänger – Teil 3

Was bin ich froh, dass ich den Diabetes heute Abend ablegen kann. Man kann mit dieser Krankheit leben und alt werden, ganz bestimmt, aber es erfordert eine Menge Disziplin und es vergeht kein Tag, an dem man nicht mit der Krankheit konfrontiert wird. Mein Respekt gilt all jenen, die das über Jahrzehnte tagtäglich meistern.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zu gravierenden Folgeerkrankungen, die teilweise nur schwer zu therapieren und irreversibel sind. Deshalb ist es wichtig, sowohl die medikamentöse als auch die Ernährungstherapie vom ersten Tag der Diagnose an mit eiserner Disziplin zu befolgen, um möglichst schnell eine gute Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Wer möchte schon erblinden, an die Dialyse müssen oder einen diabetischen Fuss bekommen? Bloss, solange man die Krankheit nicht spürt, erscheint sie einem vermutlich auch nicht so bedrohlich und wenn man etwas merkt, ist es eventuell schon zu spät.

Die einwöchige Selbsterfahrung hat mich als angehende Ernährungsberaterin auf jeden Fall weiter gebracht und, wie ich hoffe, meine Qualität als Therapeutin sowie mein Verständnis für die Patienten gefördert. Es ist einfach, einen Plan genau nach Vorgaben zu erstellen und Lebensmittelmengen vorzuschreiben, aber es ist anspruchsvoll, dies in den Alltag zu integrieren ohne sich dabei eingeschränkt zu fühlen. Und wenn ich mit meinem Vorwissen schon gefordert war, wie geht es dann jemanden, der sich bis jetzt überhaupt nicht um seine Ernährung gekümmert und stets nach Lust und Laune gegessen hat? Wie erkläre ich Diabetes einem Kind oder jemandem, der meine Sprache nur sehr schlecht spricht? Was mache ich, wenn zum Diabetes noch weitere Allergien und Unverträglichkeiten hinzukommen? Auf diese und viele weitere Fragen werden wir in der Praxis mit Sicherheit treffen und es wird unsere Aufgabe sein, klientenzentrierte Lösungen zu finden.

PS: Meine Mama wird sich bestimmt auch freuen, dass sie ihre Küchenwaage zurückbekommt.

Studiumsgeschichten

Diabetes für Anfänger – Teil 2

Der fünfte Tag des Diabetes-Experiments neigt sich dem Ende zu. Aufstehen, Blutzucker messen, Mahlzeiten abwägen und spätestens am Abend alles brav ins Protokoll eintragen.

Wirklich spannend ist es nicht, weil der Blutzucker eines gesunden Menschen innerhalb relativ enger Grenzen reguliert wird und keine grossen Sprünge macht. So hatte ich heute beispielsweise sowohl am Morgen beim Aufstehen als auch nach 90 Minuten Jogging einen Blutzuckerwert von 5.5. Grund dafür ist das Zusammenspiel zwischen den Hormonen Insulin und Glukagon, welche beide in der Bauchspeicheldrüse produziert werden.

Wenn wir etwas essen, insbesondere Kohlenhydrate, steigt der Blutzuckerspiegel an und es wir vermehrt Insulin ausgeschüttet. Das Insulin ist eine Art Schlüsselhormon, welches den Zellen erlaubt, die Glukose (Zucker) aus dem Blut aufzunehmen und für die Energiegewinnung zu verwenden. Ausserdem werden in der Leber und in den Muskeln Glukosespeicher in Form von Glykogen angelegt. Wenn wir in der Nacht oder zwischen den Mahlzeiten lange nichts essen, wird in der Bauchspeicheldrüse Glukagon ausgeschüttet und die Leber beginnt, das gespeicherte Glykogen wieder in Glukose umzuwandeln und an das Blut abzugeben. Das Gleiche geschieht beim Sport, wenn wir quasi den ganzen im Blut vorhanden Zucker verbraucht haben und trotzdem noch weiter rennen wollen. (Ich bin mir nicht sicher, ob meine ehemalige Biochemie-Professorin mit dieser stark vereinfachten Erklärung glücklich wäre.)

Von dem Experiment profitiere ich trotzdem, weil ich mich nun mit Sicherheit besser in die Lage eines frisch diagnostizierten Typ-2-Diabetikers versetzen kann. Es nervt, sich mehrmals täglich in den Finger zu stechen und es ist mühsam, seine Mahlzeiten auf das Gramm genau abzuwägen und mindestens einen Tag im Voraus zu planen. Zum Glück gibt es in der modernen Medizin inzwischen auch Medikamente, bei denen man in der Mahlzeitengestaltung etwas flexibler ist.

Studiumsgeschichten

Diabetes für Anfänger – Teil 1

Einfühlungsvermögen und klientenzentriertes Arbeiten wird im Studiengang Ernährung und Diätetik an der Berner Fachhochschule gross geschrieben. Um uns diesbezüglich zu schulen, lernen wir Studierenden die Ernährung bei Diabetes nicht nur in der Theorie, sondern setzen sie eine Woche lange auch in der Praxis um. Placebo-Medikament und Blutzuckerkontrollen inklusive.

Am Mittwoch erhielten wir von unserer ernst dreinblickenden Dozentin die „Diagnose“ Diabetes Mellitus Typ 2. Sie hat die Rolle des Arztes so überzeugend gespielt, dass einigen fast die Tränen gekommen wären. Danach haben wir uns in Lerntandems zweimal eine Stunde lang in die Ernährungstherapie eingeführt und ausführlich beraten. Was ist der Teuscher-Plan? Wie viele Kalorien sollte ich am Tag essen? Muss ich Zwischenmahlzeiten einnehmen? Was mache ich, wenn ich hypoglykämisch (unterzuckert) bin?

Seit gestern führt mich also mein erster Weg am Morgen nicht mehr zur Kaffeemaschine sondern zu meinem kleinen blauen Blutzuckermessgerät. Ich wasche mir die Hände, bereite alles vor und pikse mich in einen Finger meiner linken Hand. Dabei ist bei mir gestern die Frage aufgetaucht, was wohl jemand macht, der sich partout nicht selber stechen geschweige denn sein eigenes Blut sehen kann.

Tagsüber wird streng nach Plan gegessen und nach Möglichkeit jedes Gramm abgewogen. Drei Haupt- und drei Zwischenmahlzeiten, möglichst regelmässig über den Tag verteilt. Isst man zu viel Kohlenhydrate, steigt der Blutzuckerspiegel unkontrolliert an, isst man zu wenig läuft man Gefahr, wegen des Medikaments in eine Hypoglykämie zu verfallen. In meinem Fall natürlich rein hypothetisch.

 

Essgeschichten

Backen mit Öl

Heute hatten wir die ersten Lektionen „diätetisches Kochen“ und obwohl ich kein Fan von Kochunterricht bin, habe ich dieses Mal echt etwas gelernt. Man kann mit Öl genauso gut Kuchen backen wie mit Butter. Wusstet ihr das?

Wenn man mit Öl backt, dann braucht man nur 30 Prozent von der Menge, die man an Butter verwenden würde. Steht im Rezept also 100g Butter, dann reichen 30g Öl. Welches Öl man dabei verwendet ist eigentlich egal. Allerdings hat Olivenöl einen eher starken Eigengeschmack und passt nicht zu allem. Rapsöl, ob high oleic (HOLL) oder normal, eignet sich sehr gut. Von der Fettsäurenzusamnensetzung wäre das gewöhnliche Rapsöl ideal und der Butter diesbezüglich überlegen.

Kuchen mit Öl zu backen spart aufgrund der geringeren Fettmenge nicht nur Kalorien, sondern mann kann so auch Leuten eine Freude machen, welche unter Lakotesintoleranz oder einer Kuhmilchallergie leiden.

Wir haben vier verschiedene Kuchen gebacken und ich habe nicht immer herausschmecken können, welcher mit Butter und welcher mit Öl gemacht war. Zuweilen ist die Konsistenz ein bisschen anders oder es bleibt nach dem Schlucken ein leicht nussiger Ölgeschmack zurück, aber gestört hat es mich nirgends.