Studiumsgeschichten

Der erste Arbeitstag

Am Donnerstag war es nun also so weit und ich hatte meinen ersten Arbeitstag als Ernährungsberaterin in Ausbildung in einem Schweizer Kantonsspital. Meine kleine, gemütliche Personalwohnung hatte ich am Vortag bezogen und ich fühle mich dort schon richtig wohl. Noch etwas wohler fühle ich mich, seit ich weiss, dass es im Nebengebäude eine jederzeit zugängliche Starbucks-Kaffeemaschine für das Personal gibt. Was will man mehr?

Um Punkt 8 Uhr sollte mich in den neuen Büroräumlichkeiten der Ernährungsberatung einfinden. Was mit Sicherheit einmal toll wird, ähnelt im Moment noch einer Baustelle. Medizinisches Fachpersonal und Handwerker geben sich die Klinken in die Hand und noch weiss niemand so genau, was wo hingehört. Begeistert bin ich allerdings davon, dass für die Studierenden ein eigenes Büro mit elektrisch höhenverstellbaren Stehpulten vorgesehen ist. So lässt es sich arbeiten! Die Büroräumlichkeiten der Ernährungsberatung befinden sich neu in einem Nebengebäude des Haupthauses, sodass bei der Arbeit auf den Stationen für ausreichend Bewegung gesorgt ist.

Da ich den obligaten Einführungstag für sämtliche neuen Mitarbeitenden erst im März nachhole, wurde ich zwischendurch zum Fototermin für den Personalbadge aufgeboten. Dabei lernte ich einen sympathischen Assistenzarzt kennen, der mir, ganz Gentleman, den Vortritt liess. Das Foto ist, naja, so ein richtiges Personalausweisfoto eben. Dafür gehöre ich nun offiziell zur Belegschaft und meine Konsumationen in Personalrestaurant und Cafeteria werden mir direkt vom Lohn abgezogen. Bei meinem Praktikantenlohn und umgekehrt proportional dazu hohen Kaffeekonsum sollte ich wohl aufpassen, dass ich Ende des Monats nicht noch draufzahlen muss.

Am Nachmittag durfte ich dann meine erste Ernährungstherapie vorbereiten und mit meiner Praxisausbildnerin auf die Station. Um 16 Uhr fand eine teaminterne Supervision statt, an der ich ebenfalls teilnehmen durfte. Anschliessend daran zogen wir uns um und ich durfte meine Mitarbeiterinnen an ein interprofessionelles Bariatrie-Board begleiten. Es wurden Patientinnen und Patienten besprochen, die für einen chirurgischen Eingriff zur Gewichtsreduktion vorgesehen sind. Anwesend waren Chirurgen, Internisten, ein Endokrinologe, ein Gastroenterologe, Psychologen sowie mehrere Ernährungsberaterinnen. Mega spannend! Danach ging es nahtlos weiter mit einer interprofessionellen Weiterbildung zum Thema Post (Gastric) Bypass Hypoglycemia. Einfach ausgedrückt geht es damit um Blutzuckerabfälle, welche bei (Magen-)Bypass Patienten nach der Nahrungsaufnahme entstehen können. Eine adäquate Ernährung ist dabei die Therapie erster Wahl.

Während des Vortrags gab’s die Vorspeise und anschliessend eine leckere Hauptspeise sowie ein Dessert. Alles gesponsert von einer Pharmafirma. So lässt es sich dinnieren. Für mich war es eine ideale Gelegenheit, mein Team etwas näher kennenzulernen sowie Bekanntschaft mit Teilen der Ärzteschaft zu machen.

Eine Arbeitskollegin und ich machten uns schliesslich zu Fuss auf den Heimweg zum nahegelegenen Personalhaus. Da weder sie noch ich über einen wirklich ausgeprägten Orientierungssinn verfügt, landeten wir schliesslich auf der Rasenfläche hinter den Leitplanken entlang der Hauptstrasse. Um 22.20 Uhr kam ich schliesslich hundemüde aber happy in meiner kleinen Wohnung an.

 

 

Wohngeschichten

Moni packt (mal wieder)

Nach einem recht unspektakulären Start ins Jahr 2018 steht bei mir nun die nächste grosse Herausforderung vor der Tür: Ich starte in mein letztes grosses Praktikum und damit auch zur letzten Etappe auf dem Weg zur Berufsbefähigung als Ernährungsberaterin. Juhu!

Zwölf Monate werde ich in einem Schweizer Kantonsspital mit rund 400 Betten in der Ernährungsberatung arbeiten und ich freue mich riesig darauf. Seit meinem letzten Praktikum ist bereits mehr als ein Jahr vergangen und ich kann es kaum erwarten, all das angehäufte Wissen aus den drei Jahren Studium in der Praxis anzuwenden. Bisher musste ich einen Betrieb jeweils nach spätestens drei Monaten wieder verlassen. Meistens also genau dann, wenn ich mich gerade so richtig eingelebt hatte und begann, mich in meiner Rolle als angehende Ernährungsberaterin wohlzufühlen. Nun bin ich gespannt, wie es sein wird, über längere Zeit Vollzeit zu arbeiten und Klientinnen und Klienten über mehrere Monate hinweg betreuen zu können. Auf den Kontakt mit den Patientinnen und Patienten sowie die interprofessionelle Zusammenarbeit im Krankenhaus freue ich mich besonders. Bestimmt ergibt sich die eine oder andere Begegnung, von der ich dann hier auf meinem Blog berichten kann.

Da ich noch keine eigene Wohnung habe sondern nach dem Studienabschluss in Bern wieder bei meinen Eltern eingezogen bin, habe ich mich dazu entschieden, unter der Woche zumindest vorläufig in eine Personalwohnung direkt neben dem Spital zu ziehen. Wieder einmal heisst es also, meinen Haushalt zusammenzupacken und aus der Reisetasche zu leben. Da ich dieses Mal eine ganze Wohnung, inklusive Miniküche und Bad, und nicht nur ein Zimmer für mich habe, möchte ich es mir auch gemütlich einrichten. Schliesslich will ich mich nach einem anstrengenden Arbeitstag wohl fühlen und erholen.

Studiumsgeschichten

Die (hoffentlich) letzte Prüfung

Am Freitag war es soweit: Die (hoffentlich) letzte Prüfung meines Bachelorstudiums. Wer hätte vor drei Jahren gedacht, dass dieser Tag jemals kommt? Also ich nicht. Ich schreibe hoffentlich in Klammern, weil ich das Prüfungsresultat noch nicht bekommen habe und man weiss ja nie. Das Bauchgefühl kann einem auch mal einen Streich spielen. Alles schon passiert.

Im Voraus war ich mir sehr unsicher, wie ich diese Prüfung einzuordnen habe. Man konnte sie einerseits relativ gut vorbereiten und andererseits bestand sie aus einer Reihe von Unbekannten. Da ich die Tage davor noch halb krank war, hielt sich die investierte Vorbereitungszeit bei mir sehr in Grenzen. Dass es sich um eine mündliche Prüfung handelte, machte mich zusätzlich nervös. Ich bevorzuge bekanntlich Multiple Choice.

Die ersten 45 Minuten der finalen Prüfung beinhalteten eine von mir durchgeführte Ernährungsberatung. Die Klientin, eine 35-jährige Frau mit neu diagnostiziertem Schwangerschaftsdiabetes, wurde von einer Schauspielerin mit aufblasbarem Kunstbauch gespielt. Die Fallbeschreibung hatten wir eine Woche zuvor erhalten und uns entsprechend mit Hilfsmitteln auf die Beratung vorbereiten können. Eine Gestationsdiabetikerin kam mir sehr entgegen, da ich solche Fälle auch schon in einigen meiner Praktika beraten hatte. Es hätte also weit schlimmer kommen können.

Die Beratung fand in einem Raum mit verspiegelter Glasscheibe statt (ähnlich wie bei CSI). Die beurteilenden Dozentinnen sassen auf der anderen Seite der Scheibe und konnten mich genau beobachten, während ich sie nicht sah. Auf dem Tisch stand ein Mikrofon, welches die ganze Sequenz aufzeichnete und mir gegenüber war eine Kamera, die fleissig alles mit filmte. Big Brother is watching you. Von allen Seiten.

Zu Beginn der Beratung war ich entsprechend nervös, aber die Klientin war zum Glück relativ aufgeschlossen und wir fanden relativ schnell eine gute Gesprächsebene, um uns zu unterhalten. Ich macht eine ausführliche Anamnese, um mir ein Bild der Gesamtsituation der viel beschäftigten werdenden Mutter machen zu können. Meiner Schätzung nach hatte die Anamnese etwa 15-20 Minuten gedauert, doch als ich verstohlen auf meine Uhr schielte, stellte ich erschrocken fest, dass mir für die Informationsvermittlung nur noch gut zehn Minuten blieben. Schei***! „Ruhig bleiben, dir nichts anmerken lassen, Prioritäten setzen, die Beratung zu Ende bringen.“ Das waren etwas die Stichworte, mit denen ich mich selber zu beruhigen versuchte. Ich kann bis jetzt nicht sagen, ob die Klientin gemerkt hat, dass ich unter Zeitdruck war oder nicht. In der verbleibenden Zeit konnte ich ihr noch die wichtigsten Informationen mitgeben, doch mein Fachinput war definitiv zu knapp. Mit ein oder zwei Minuten Verzögerung schloss ich die Beratung ab und verabschiedete die Klientin. Hallelujah, der für mich schlimmste Teil war geschafft!

Anschliessend hatte ich eine Stunde Zeit, um im stillen Kämmerlein meine Beratung anhand des Ernährungstherapeutischen Prozesses (ETP) zu reflektieren und zusätzlich eine Verknüpfung zu einem sozial-kognitiven Prozessmodell (HAPA-Modell) zu erarbeiten. Ich atmete also erst ein paar Mal tief ein und aus und machte mich dann daran, mein Vorgehen und den Beratungsablauf zu reflektieren. Reflektiert haben wir in den letzten drei Jahren zu genüge. Ich habe schon vorgeschlagen, unseren Studiengang von „Ernährung und Diätetik“ auf „Ernährung und Reflexion“ umzubenennen.

Nach den 60 Minuten Vorbereitungszeit ging’s zum Fachgespräch mit den zwei Dozentinnen. Sie stellten Fragen, ich konnte das Gespräch aber auch selber ein wenig lenken, in dem ich redete und redete und redete und einfach alles erwähnte, was mir irgendwie wichtig erschien. Kurz peinlich wurde es, als man mich fragte, wie viele Wochen man denn schwanger sei und ich mir bei der Antwort äusserst unsicher war. Neun Monate, klar, aber Wochen…38 bis 40, je nachdem, ab wann gerechnet wird? Verrechnet habe ich mich anschliessend auch noch, aber ich will ja auch nicht den Bachelor in Mathematik sondern in Ernährung. Die dreissig Minuten Fachgespräch vergingen wie im Flug und ich fühlte mich bis auf die oben beschriebenen Pannen einigermassen kompetent.

Als die Uhr gestoppt wurde, konnte ich nicht anders, als über das ganze Gesicht erleichtert zu strahlen. Ein riesiger Stein fiel mir vom Herzen und zum ersten Mal seit langer, langer Zeit (oder zum ersten Mal überhaupt), hatte ich wirklich das Gefühl, dass das Studium bald ein Ende nimmt und der Abschluss in absehbarer Zeit über die Bühne geht. Endlich!

Die drei Jahre in Bern waren super und ich werde viele meiner Mitstudierenden und die tolle Atmosphäre in der Kohorte sehr vermissen, aber gerade das vergangenen Semester hat extrem an meinen Kräften gezehrt und ich sehne den Abschluss herbei. Freie Abende und freie Wochenenden: Ich freue mich auf euch!

Studiumsgeschichten

Kulinarisch gut versorgt durch die Prüfung

Heute hatten wir den praktischen Teil des Kompetenznachweises im Modul „Beratung“. Zwischen 8.15 und 17.30 Uhr haben insgesamt neun Studierende einen jeweils fünfunddreissigminütigen Vortrag zu einem von ihnen selbst gewählten beratungsspezifischen Thema gehalten. Ein Marathon!

Begonn haben wir am Morgen mit „Mimik und Gestik“. Anschliessend ging es weiter mit „Achtsames Essen“, „Vertrauen“ und „Geschichten und Metaphern“. Nach der Mittagspause ging es um „Bewegung“, „Empathie und Emotionsübertragung“, „Gerüche“, „Gegenübertragung“ und zuletzt noch um das „Helfersyndrom“. Ein mega spannender Tag!

Um die Stimmung etwas aufzulockern und das Energielevel während des ganzen Tages möglichst hoch zu halten, haben wir ein Buffet mit allerlei süssen und salzigen Köstlichkeiten zusammengestellt. Während die Dozierenden die Pausen zwischen den Vorträgen jeweils zur Benotung nutzten, haben wir uns mit den Leckereien verköstigt. Die Stimmung war trotz Prüfung locker und ein allgemeines Energietief gab es bis zum Schluss nicht.

Im Angebot waren frische Brötchen, selbstgebackene Muffins, Schokolade, Früchte, Gemüse, Popcorn, Schoggi-Schümli, Käse, Kaffee und noch einiges mehr. Yummy!

ErnährungsberaterInnen wissen eben, dass nur ein gut genährtes Gehirn zu Höchstleistungen fähig ist.

Studiumsgeschichten

Ein unvergessliches Wochenende

Am Freitagabend fand sich eine mehr oder minder motivierte Schar von neun Studierenden des Studiengangs Ernährung und Diätetik in einem Schulungszentrum hoch über der Stadt Aarau ein. Begleitet wurden sie von zwei Dozierenden. Nur gut zwanzig Minuten von der Kantonshauptstadt entfernt, erwarteten uns völlige Ruhe und Abgeschiedenheit. Wiesen, Wälder, Bauernhöfe. Eine Umgebung, in der man sich ganz auf sich konzentrieren und Abstand vom fordernden Alltag nehmen kann.

Am ersten Abend ging es erst einmal darum, anzukommen und herunterzufahren. Nach einem gemütlichen Abendessen stellte jeder einen kurzen Beitrag zu den Themen «Rat suchen», «Rat finden» oder „Entscheidungsfindung“ vor. Wir haben Lieder, einen Prosatext und ein Gedicht gehört und uns über das Ratgeber-Video einer Youtube-Bloggerin amüsiert. Der Dozent spendierte anschliessend eine Flasche Wein und die meisten von uns vielen kurz vor Mitternacht müde aber zufrieden ins Bett.

Der Samstag startete, wie von uns allen gehofft, mit einem einladenden Frühstücksbuffet und viel Kaffee. Was will man mehr? Anschliessend ging die Arbeit richtig los und was dieser Tag in uns bewegt hat, damit hatte im Vorfeld wohl niemand so richtig gerechnet.

Wir hatten im Vorfeld die Aufgabe bekommen, einen Patientenfall einzureichen, der uns als besonders herausfordernd in Erinnerung geblieben ist und/oder uns nachhaltig beschäftigt hat. Dabei ging es nicht um fachliche Inhalte, sondern um zwischenmenschliche Probleme, welche einen Einfluss auf den Therapieerfolg sowie auf die so wichtige Berater-Klienten-Beziehung haben.

Die fallbringende Person spielte jeweils die Klientin oder den Klienten und wurde von einer Mitstudentin oder einem Mitstudenten in der Rolle der Ernährungsberaterin oder des Ernährungsberaters beraten. So kam es vor, dass ein junger Mann eine hoch schwangere Frau spielte und eine junge Frau im Gegenzug einen anzüglichen älteren Herrn. Die Beraterinnen und Berater wurden im Vorfeld von den Dozierenden gecoacht, sodass sie in etwa darauf vorbereitet waren, was im Gespräch auf sie zukommen würde. Wer im Gespräch nicht mehr weiter wusste, konnte ein Timeout nehmen und zur Zwischenbesprechung mit den Dozierenden vor die Tür.

Die Klientinnen und Klienten mit sich selbst und ihrem eigenen Verhalten zu konfrontieren, war eines der Hauptthemen, welches sich durch viele der eingebrachten Fälle zog. Was steckt dahinter, wenn jemand eine junge Ernährungsberaterin völlig unvermittelt persönlich angreift und warum trinkt eine Schwangere mit Gestationsdiabetes Süssgetränke, obwohl sie weiss, dass sie damit die Gesundheit ihres Kindes gefährdet?

Mir ist der Fall einer alten Frau, welche wochenlang jegliche Nahrungsaufnahme verweigert und trotzdem nicht klar äussern kann, dass sie sterben möchte, besonders nahe gegangen. Druck wegnehmen, die Entscheidung der Patientin akzeptieren und trotzdem da sein, das waren hier die Schlüsselelemente zum «Erfolg».

In einer Ernährungsberatung geht es oft um viel mehr als um die Ernährung. Im Gegenteil: Manchmal sind Zeitpunkt und Ort schlicht nicht die richtigen, um über das Essen zu sprechen. Oft stehen andere Probleme, Ängste und Befürchtungen im Vordergrund und müssen zuerst behutsam angesprochen und aufgearbeitet werden. «Wachsen tut weh.» Das gilt sowohl für unsere Klientinnen und Klienten, als auch für uns.

Es hat weh getan, aber wir sind über uns hinaus gewachsen. Wir alle. Wir haben Dinge getan, von denen wir nicht geahnt haben, dass wir dazu in der Lage wären. Zu sehen, dass wir damit Erfolg haben und bei unseren Klientinnen und Klienten entscheidend etwas bewegen können, war die wohl grösste Belohnung für unsere Anstrengungen.

Am Samstagabend waren wir weit weg von allem. Bachelorarbeit, Prüfungen und Alltagsstress waren weit in den Hintergrund gerückt. Nach einem leckeren Abendessen, bestehend aus Gemüsepizza und Salat, haben wir uns alle in Wolldecken gekuschelt und uns den Film «Amadeus» angesehen. Popcorn, Rotwein oder Bier inklusive. Während die einen bereits während des Films einschliefen, haben sich die anderen anschliessend noch bis weit in die Nacht unterhalten.

Der Sonntagmorgen verging wie im Flug. Nach dem Frühstück inklusive Hefezopf haben wir noch einmal zwei Fälle durchgespielt und analysiert. Die Abschlussrunde ergab, dass unsere Erwartungen an das Wochenende zumindest erfüllt, wenn nicht weit übertroffen wurden.

«Man kann gar nicht beschreiben, was wir in diesen knapp 48 Stunden gemacht haben. Man muss dabei gewesen sein, um wirklich verstehen zu können, wie es war und was es mit uns gemacht hat.» Bei der Abreise war ich zwiegespalten. Gerne wäre ich noch länger geblieben. Andererseits war ich total erschöpft und freute mich darauf, etwas Zeit für mich zu haben. Ich kam nach Hause, habe geduscht, mein Pyjama angezogen und erst einmal drei Stunden geschlafen. Mitten am Nachmittag. Ich war fix und fertig.

Was wir an diesem Wochenende gemacht haben, hat mich fürs Leben geprägt. Nicht nur als zukünftige Ernährungsberaterin, sondern auch als Mensch.

Wir haben viel gelacht, aber auch geweint. Wir haben diskutiert, Gedanken und Emotionen geteilt. Wir haben zur Auflockerung Ping Pong gespielt und uns näher kennengelernt. Nach knapp drei Jahren gemeinsamen Studiums. Wir sind als Gruppe gegangen und als Gemeinschaft zurückgekehrt.

Für mich die Melodie zu diesem Wochenende: https://www.youtube.com/watch?v=dzNvk80XY9s

Studiumsgeschichten

Ähm…

Sich selber beim Beraten auf Video zuzuschauen, ist ein wahrlich zweifelhaftes Vergnügen. Im Rahmen unserer Ausbildung zu ernährungstherapeutischen Fachpersonen haben wir immer wieder das Glück, Kommunikations- und Beratungstrainings mit speziell dafür ausgebildeten Schauspielenden zu absolvierenden. Reale Situationen, wie sie in der Praxis vorkommen können, werden nachgestellt. Die Gespräche werden von Dozierenden und ein paar Mitstudierenden beobachtet, gemeinsam nachbesprochen und eben auch auf Video aufgezeichnet.

Wenn man erst einmal überwunden hat, dass die Frisur nicht perfekt sitzt und das Kinn je nach Kameraperspektive gleich doppelt erscheint, kann man eine Menge davon lernen, sich selber bei der Interaktion mit Klientinnen und Klienten zu beobachten. Wie ist meine Körperhaltung? Was machen meine Hände? Was sagt meine Mimik über meine inneren Prozesse aus?

Ich habe in knapp 42 Minuten Gespräch sage und schreibe einhundertmal „ähm“ gesagt. Auch das Wort „okay“ fiel knapp vierzigmal. Dazu muss ich sagen, dass die Beratung eigentlich gut lief und ich mich währenddessen sehr sicher und in meiner Rolle als Ernährungsberaterin kompetent gefühlt habe. Mega ärgerlich! Als sich meine Strichliste beim Anschauen des Videos mehr und mehr füllte, hätte ich mich selbst in den Hintern treten können. Statt dass ich einfach nichts sage, benutze ich „ähm“ als Füllwort, um mir ein paar Sekundenbruchteile Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Voll unnötig! Dabei habe ich mich früher immer über einen gewissen Ex-Bundesrat lustig gemacht, der bei Reden und TV-Auftritten auch nicht ohne „ähm“ auskam. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen…

Video sei Dank bin ich mir der Problematik nun endgültig bewusst und kann mir überlegen, wie ich mir „ähm“ und „okay“ abgewöhne. Gute Tipps sind herzlich willkommen!

Bis…ähm…zum nächsten Mal. Okay?

Essgeschichten

Das liebe Eiweiss

Nicht nur Bodybuilder müssen auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten. Damit wir Muskulatur aufbauen oder auch „nur“ erhalten können, braucht jeder von uns eine ausreichende Menge Eiweiss aus der Ernährung. Jeden Tag. Es reicht nicht, zum Frühstück ein Ei oder zum Abendessen ein 200 g Steak zu essen. Eine Eiweisskomponente gehört zu jeder Hauptmahlzeit, da unser Körper nur eine begrenzte Menge Protein auf einmal aufnehmen kann und wir es sonst nicht schaffen, unseren Bedarf zu decken.

Eine gesunde erwachsene Person sollte mindestens 0.8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich nehmen. Eiweiss dient nicht nur dem Erhalt und Aufbau von Muskelmasse, es erfüllt auch zahlreiche andere Funktionen im Körper. Ein Proteinmangel wirkt sich beispielsweise negativ auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Wundheilung aus. An praktisch jedem Vorgang in unserem Körper sind Eiweisse oder ihre Bestandteile beteiligt. Abgesehen davon liefern Proteine auch Energie und sie halten länger satt als beispielsweise Kohlenhydrate.

Ich greife dieses Thema auf, weil es mir selbst nicht immer leicht fällt, zu jeder Mahlzeit eine Eiweisskomponente in meinen Speiseplan einzubauen und weil es beinahe zum Alltag einer Ernährungsberaterin gehört, ihre Klientinnen und Klienten für eine ausreichende Proteinzufuhr zu sensibilisieren. Egal ob jemand abnehmen sollte oder mangelernährt ist, ob jemand Diabetes hat oder eine Zöliakie: Genügend Eiweiss muss sein! Gerade Patienten im Spital, welche Wunden haben oder an Infekten leiden, haben gegenüber gesunden Personen einen erhöhten Eiweissbedarf und können enorm von einer ausreichenden Zufuhr profitieren. Das ist allerdings oft leichter gesagt als getan.

Wo ist denn überall Eiweiss drin und wie viel muss ich davon essen?

Die Schweizerischer Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt den Verzehr von insgesamt vier Portionen proteinreicher Produkte über den Tag verteilt. Diese setzen sich im Rahmen einer ausgewogenen Mischkost aus insgesamt drei Portionen Milch und Milchprodukten sowie einer Portion Fleisch, Fisch, Ei oder Fleischersatz zusammen.

Milch und Milchprodukte (3 Portionen am Tag)

  • Fleisch und Fisch (1 Portion = 120 g)
  • Hartkäse (1 Portion = 30 g)
  • Weichkäse (1 Portion = 60 g)
  • Quark (1 Portion = 200 g)
  • Hüttenkäse (1 Portion = 200 g)
  • Milch (1 Portion = 2 dl)
  • Joghurt (1 Portion = 180 g)

Fleisch, Fisch, Eier, Tofu (1 Portion am Tag)

  • Fleisch (1 Portion = 120 g)
  • Fisch (1 Portion = 120 g)
  • Tofu/Quorn/Seitan (1 Portion = 120 g)
  • 2-3 Eier

Hülsenfrüchte enthalten ebenfalls Eiweiss, allerdings in wesentlich geringeren Mengen. Generell gilt, dass wir tierisches Protein besser aufnehmen können als pflanzliches. Das hochwertigste Protein ist jenes aus Eiern. Dabei muss man sich auf keine Sorgen um den Cholesterinspiegel machen, wenn man mehrmals pro Woche Eier konsumiert. Entgegen langjähriger Vorbehalte von Seiten der Medizin ist dies völlig unbedenklich.

Viel zu viel Eiweiss zu essen beziehungsweise in Form von Proteinshakes oder -riegeln zu sich zu nehmen wird übrigens auch nicht empfohlen. Wie bei so vielem gilt ein gesundes Mittelmass.

Achtet doch einmal ein paar Tage bewusst darauf, ob ihr mindestens zu jeder Hauptmahlzeit eine ausreichende Portion Eiweiss konsumiert und ob ihr insgesamt euren Tagesbedarf abdecken könnt. Es lohnt sich!