Studiumsgeschichten

Kulinarisch gut versorgt durch die Prüfung

Heute hatten wir den praktischen Teil des Kompetenznachweises im Modul „Beratung“. Zwischen 8.15 und 17.30 Uhr haben insgesamt neun Studierende einen jeweils fünfunddreissigminütigen Vortrag zu einem von ihnen selbst gewählten beratungsspezifischen Thema gehalten. Ein Marathon!

Begonn haben wir am Morgen mit „Mimik und Gestik“. Anschliessend ging es weiter mit „Achtsames Essen“, „Vertrauen“ und „Geschichten und Metaphern“. Nach der Mittagspause ging es um „Bewegung“, „Empathie und Emotionsübertragung“, „Gerüche“, „Gegenübertragung“ und zuletzt noch um das „Helfersyndrom“. Ein mega spannender Tag!

Um die Stimmung etwas aufzulockern und das Energielevel während des ganzen Tages möglichst hoch zu halten, haben wir ein Buffet mit allerlei süssen und salzigen Köstlichkeiten zusammengestellt. Während die Dozierenden die Pausen zwischen den Vorträgen jeweils zur Benotung nutzten, haben wir uns mit den Leckereien verköstigt. Die Stimmung war trotz Prüfung locker und ein allgemeines Energietief gab es bis zum Schluss nicht.

Im Angebot waren frische Brötchen, selbstgebackene Muffins, Schokolade, Früchte, Gemüse, Popcorn, Schoggi-Schümli, Käse, Kaffee und noch einiges mehr. Yummy!

ErnährungsberaterInnen wissen eben, dass nur ein gut genährtes Gehirn zu Höchstleistungen fähig ist.

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Studiumsgeschichten

Ein unvergessliches Wochenende

Am Freitagabend fand sich eine mehr oder minder motivierte Schar von neun Studierenden des Studiengangs Ernährung und Diätetik in einem Schulungszentrum hoch über der Stadt Aarau ein. Begleitet wurden sie von zwei Dozierenden. Nur gut zwanzig Minuten von der Kantonshauptstadt entfernt, erwarteten uns völlige Ruhe und Abgeschiedenheit. Wiesen, Wälder, Bauernhöfe. Eine Umgebung, in der man sich ganz auf sich konzentrieren und Abstand vom fordernden Alltag nehmen kann.

Am ersten Abend ging es erst einmal darum, anzukommen und herunterzufahren. Nach einem gemütlichen Abendessen stellte jeder einen kurzen Beitrag zu den Themen «Rat suchen», «Rat finden» oder „Entscheidungsfindung“ vor. Wir haben Lieder, einen Prosatext und ein Gedicht gehört und uns über das Ratgeber-Video einer Youtube-Bloggerin amüsiert. Der Dozent spendierte anschliessend eine Flasche Wein und die meisten von uns vielen kurz vor Mitternacht müde aber zufrieden ins Bett.

Der Samstag startete, wie von uns allen gehofft, mit einem einladenden Frühstücksbuffet und viel Kaffee. Was will man mehr? Anschliessend ging die Arbeit richtig los und was dieser Tag in uns bewegt hat, damit hatte im Vorfeld wohl niemand so richtig gerechnet.

Wir hatten im Vorfeld die Aufgabe bekommen, einen Patientenfall einzureichen, der uns als besonders herausfordernd in Erinnerung geblieben ist und/oder uns nachhaltig beschäftigt hat. Dabei ging es nicht um fachliche Inhalte, sondern um zwischenmenschliche Probleme, welche einen Einfluss auf den Therapieerfolg sowie auf die so wichtige Berater-Klienten-Beziehung haben.

Die fallbringende Person spielte jeweils die Klientin oder den Klienten und wurde von einer Mitstudentin oder einem Mitstudenten in der Rolle der Ernährungsberaterin oder des Ernährungsberaters beraten. So kam es vor, dass ein junger Mann eine hoch schwangere Frau spielte und eine junge Frau im Gegenzug einen anzüglichen älteren Herrn. Die Beraterinnen und Berater wurden im Vorfeld von den Dozierenden gecoacht, sodass sie in etwa darauf vorbereitet waren, was im Gespräch auf sie zukommen würde. Wer im Gespräch nicht mehr weiter wusste, konnte ein Timeout nehmen und zur Zwischenbesprechung mit den Dozierenden vor die Tür.

Die Klientinnen und Klienten mit sich selbst und ihrem eigenen Verhalten zu konfrontieren, war eines der Hauptthemen, welches sich durch viele der eingebrachten Fälle zog. Was steckt dahinter, wenn jemand eine junge Ernährungsberaterin völlig unvermittelt persönlich angreift und warum trinkt eine Schwangere mit Gestationsdiabetes Süssgetränke, obwohl sie weiss, dass sie damit die Gesundheit ihres Kindes gefährdet?

Mir ist der Fall einer alten Frau, welche wochenlang jegliche Nahrungsaufnahme verweigert und trotzdem nicht klar äussern kann, dass sie sterben möchte, besonders nahe gegangen. Druck wegnehmen, die Entscheidung der Patientin akzeptieren und trotzdem da sein, das waren hier die Schlüsselelemente zum «Erfolg».

In einer Ernährungsberatung geht es oft um viel mehr als um die Ernährung. Im Gegenteil: Manchmal sind Zeitpunkt und Ort schlicht nicht die richtigen, um über das Essen zu sprechen. Oft stehen andere Probleme, Ängste und Befürchtungen im Vordergrund und müssen zuerst behutsam angesprochen und aufgearbeitet werden. «Wachsen tut weh.» Das gilt sowohl für unsere Klientinnen und Klienten, als auch für uns.

Es hat weh getan, aber wir sind über uns hinaus gewachsen. Wir alle. Wir haben Dinge getan, von denen wir nicht geahnt haben, dass wir dazu in der Lage wären. Zu sehen, dass wir damit Erfolg haben und bei unseren Klientinnen und Klienten entscheidend etwas bewegen können, war die wohl grösste Belohnung für unsere Anstrengungen.

Am Samstagabend waren wir weit weg von allem. Bachelorarbeit, Prüfungen und Alltagsstress waren weit in den Hintergrund gerückt. Nach einem leckeren Abendessen, bestehend aus Gemüsepizza und Salat, haben wir uns alle in Wolldecken gekuschelt und uns den Film «Amadeus» angesehen. Popcorn, Rotwein oder Bier inklusive. Während die einen bereits während des Films einschliefen, haben sich die anderen anschliessend noch bis weit in die Nacht unterhalten.

Der Sonntagmorgen verging wie im Flug. Nach dem Frühstück inklusive Hefezopf haben wir noch einmal zwei Fälle durchgespielt und analysiert. Die Abschlussrunde ergab, dass unsere Erwartungen an das Wochenende zumindest erfüllt, wenn nicht weit übertroffen wurden.

«Man kann gar nicht beschreiben, was wir in diesen knapp 48 Stunden gemacht haben. Man muss dabei gewesen sein, um wirklich verstehen zu können, wie es war und was es mit uns gemacht hat.» Bei der Abreise war ich zwiegespalten. Gerne wäre ich noch länger geblieben. Andererseits war ich total erschöpft und freute mich darauf, etwas Zeit für mich zu haben. Ich kam nach Hause, habe geduscht, mein Pyjama angezogen und erst einmal drei Stunden geschlafen. Mitten am Nachmittag. Ich war fix und fertig.

Was wir an diesem Wochenende gemacht haben, hat mich fürs Leben geprägt. Nicht nur als zukünftige Ernährungsberaterin, sondern auch als Mensch.

Wir haben viel gelacht, aber auch geweint. Wir haben diskutiert, Gedanken und Emotionen geteilt. Wir haben zur Auflockerung Ping Pong gespielt und uns näher kennengelernt. Nach knapp drei Jahren gemeinsamen Studiums. Wir sind als Gruppe gegangen und als Gemeinschaft zurückgekehrt.

Für mich die Melodie zu diesem Wochenende: https://www.youtube.com/watch?v=dzNvk80XY9s

Studiumsgeschichten

Ähm…

Sich selber beim Beraten auf Video zuzuschauen, ist ein wahrlich zweifelhaftes Vergnügen. Im Rahmen unserer Ausbildung zu ernährungstherapeutischen Fachpersonen haben wir immer wieder das Glück, Kommunikations- und Beratungstrainings mit speziell dafür ausgebildeten Schauspielenden zu absolvierenden. Reale Situationen, wie sie in der Praxis vorkommen können, werden nachgestellt. Die Gespräche werden von Dozierenden und ein paar Mitstudierenden beobachtet, gemeinsam nachbesprochen und eben auch auf Video aufgezeichnet.

Wenn man erst einmal überwunden hat, dass die Frisur nicht perfekt sitzt und das Kinn je nach Kameraperspektive gleich doppelt erscheint, kann man eine Menge davon lernen, sich selber bei der Interaktion mit Klientinnen und Klienten zu beobachten. Wie ist meine Körperhaltung? Was machen meine Hände? Was sagt meine Mimik über meine inneren Prozesse aus?

Ich habe in knapp 42 Minuten Gespräch sage und schreibe einhundertmal „ähm“ gesagt. Auch das Wort „okay“ fiel knapp vierzigmal. Dazu muss ich sagen, dass die Beratung eigentlich gut lief und ich mich währenddessen sehr sicher und in meiner Rolle als Ernährungsberaterin kompetent gefühlt habe. Mega ärgerlich! Als sich meine Strichliste beim Anschauen des Videos mehr und mehr füllte, hätte ich mich selbst in den Hintern treten können. Statt dass ich einfach nichts sage, benutze ich „ähm“ als Füllwort, um mir ein paar Sekundenbruchteile Zeit zum Nachdenken zu verschaffen. Voll unnötig! Dabei habe ich mich früher immer über einen gewissen Ex-Bundesrat lustig gemacht, der bei Reden und TV-Auftritten auch nicht ohne „ähm“ auskam. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen…

Video sei Dank bin ich mir der Problematik nun endgültig bewusst und kann mir überlegen, wie ich mir „ähm“ und „okay“ abgewöhne. Gute Tipps sind herzlich willkommen!

Bis…ähm…zum nächsten Mal. Okay?

Essgeschichten

Das liebe Eiweiss

Nicht nur Bodybuilder müssen auf eine ausreichende Proteinzufuhr achten. Damit wir Muskulatur aufbauen oder auch „nur“ erhalten können, braucht jeder von uns eine ausreichende Menge Eiweiss aus der Ernährung. Jeden Tag. Es reicht nicht, zum Frühstück ein Ei oder zum Abendessen ein 200 g Steak zu essen. Eine Eiweisskomponente gehört zu jeder Hauptmahlzeit, da unser Körper nur eine begrenzte Menge Protein auf einmal aufnehmen kann und wir es sonst nicht schaffen, unseren Bedarf zu decken.

Eine gesunde erwachsene Person sollte mindestens 0.8 g Protein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag zu sich nehmen. Eiweiss dient nicht nur dem Erhalt und Aufbau von Muskelmasse, es erfüllt auch zahlreiche andere Funktionen im Körper. Ein Proteinmangel wirkt sich beispielsweise negativ auf den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Wundheilung aus. An praktisch jedem Vorgang in unserem Körper sind Eiweisse oder ihre Bestandteile beteiligt. Abgesehen davon liefern Proteine auch Energie und sie halten länger satt als beispielsweise Kohlenhydrate.

Ich greife dieses Thema auf, weil es mir selbst nicht immer leicht fällt, zu jeder Mahlzeit eine Eiweisskomponente in meinen Speiseplan einzubauen und weil es beinahe zum Alltag einer Ernährungsberaterin gehört, ihre Klientinnen und Klienten für eine ausreichende Proteinzufuhr zu sensibilisieren. Egal ob jemand abnehmen sollte oder mangelernährt ist, ob jemand Diabetes hat oder eine Zöliakie: Genügend Eiweiss muss sein! Gerade Patienten im Spital, welche Wunden haben oder an Infekten leiden, haben gegenüber gesunden Personen einen erhöhten Eiweissbedarf und können enorm von einer ausreichenden Zufuhr profitieren. Das ist allerdings oft leichter gesagt als getan.

Wo ist denn überall Eiweiss drin und wie viel muss ich davon essen?

Die Schweizerischer Gesellschaft für Ernährung (SGE) empfiehlt den Verzehr von insgesamt vier Portionen proteinreicher Produkte über den Tag verteilt. Diese setzen sich im Rahmen einer ausgewogenen Mischkost aus insgesamt drei Portionen Milch und Milchprodukten sowie einer Portion Fleisch, Fisch, Ei oder Fleischersatz zusammen.

Milch und Milchprodukte (3 Portionen am Tag)

  • Fleisch und Fisch (1 Portion = 120 g)
  • Hartkäse (1 Portion = 30 g)
  • Weichkäse (1 Portion = 60 g)
  • Quark (1 Portion = 200 g)
  • Hüttenkäse (1 Portion = 200 g)
  • Milch (1 Portion = 2 dl)
  • Joghurt (1 Portion = 180 g)

Fleisch, Fisch, Eier, Tofu (1 Portion am Tag)

  • Fleisch (1 Portion = 120 g)
  • Fisch (1 Portion = 120 g)
  • Tofu/Quorn/Seitan (1 Portion = 120 g)
  • 2-3 Eier

Hülsenfrüchte enthalten ebenfalls Eiweiss, allerdings in wesentlich geringeren Mengen. Generell gilt, dass wir tierisches Protein besser aufnehmen können als pflanzliches. Das hochwertigste Protein ist jenes aus Eiern. Dabei muss man sich auf keine Sorgen um den Cholesterinspiegel machen, wenn man mehrmals pro Woche Eier konsumiert. Entgegen langjähriger Vorbehalte von Seiten der Medizin ist dies völlig unbedenklich.

Viel zu viel Eiweiss zu essen beziehungsweise in Form von Proteinshakes oder -riegeln zu sich zu nehmen wird übrigens auch nicht empfohlen. Wie bei so vielem gilt ein gesundes Mittelmass.

Achtet doch einmal ein paar Tage bewusst darauf, ob ihr mindestens zu jeder Hauptmahlzeit eine ausreichende Portion Eiweiss konsumiert und ob ihr insgesamt euren Tagesbedarf abdecken könnt. Es lohnt sich!

Studiumsgeschichten

Konkurrenz unter Freunden

Im Herbst 2014 haben wir uns kennengelernt. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen von 55 Erstsemesterstudenten aus der ganzen deutschsprachigen Schweiz. In den vergangenen zweieinhalb Jahren sind wir zu einer Kohorte zusammengewachsen: ERB 14.Wir haben zusammengehalten, uns gegenseitig unterstützt, Freundschaften geschlossen.

In unserem Studiengang gibt es keine Durchfallquoten. Wir werden nach einem zweistufigen Aufnahmeverfahren zum Studium zugelassen mit dem Ziel, dass möglichst alle nach drei Jahren den Abschluss machen. Ein Minimum an Konkurrenz entsteht da höchstens bei der Zuteilung zu den beliebtesten Praktikumsplätzen. Dort entscheidet das Los. Ende der Geschichte.

Nun hat sich etwas verändert. Der Bachelor naht und damit auch der baldige Einstieg ins Berufsleben. Bevor wir uns diplomierte Ernährungsberaterin beziehungsweise diplomierter Ernährungsberater nennen dürfen, müssen wir noch einmal ein zehnmonatiges Praktikum absolvieren. Dafür sind wir aktuell auf Stellensuche. Einige haben bereits einen Platz gefunden, andere stecken mitten im Bewerbungsverfahren. Plötzlich stehen wir uns als Konkurrenten gegenüber. Wir wollen zur gleichen Zeit die gleiche Stelle. Unbedingt. Willkommen auf dem Arbeitsmarkt!

Wir befinden uns alle auf dem exakt gleichen Ausbildungsstand und bringen daher praktisch identische Vorkenntnisse mit. Unterscheiden tun wir uns durch unsere Vorbildung, unsere speifischen Interessen und unsere Persönlichkeit. Insbesondere durch letztere gilt es zu überzeugen.

Für mich ist das ziemlich belastend und ich empfinde die Grundstimmung in der Kohorte als (unterschwellig) angespannt. Wer hat sich wo beworben? Wurde er oder sie bereits zu einem Bewerbungsgespräch eingeladen? Warum sie und ich nicht? Habe ich überhaupt eine Chance, wenn er sich dort auch beworben hat? Bäh! So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt.

Ich bin ein harmoniebedürftiges Herdentierchen und kann mich selber nicht ausstehen, wenn ich anderen gegenüber Missgunst empfinde. Besonders dann nicht, wenn ich diese Personen eigentlich gerne mag und mir nur das Beste für sie wünsche. Solange es eben nicht die Praktikumsstelle ist, die ich selber gerne besetzen möchte.

Was bin ich froh, wenn dieser ganze Bewerbungszirkus hoffentlich bald ein Ende hat und wir uns gegenseitig Mut für die Abschlussprüfung machen und bei der Erarbeitung der Bachelorarbeit unterstützen können. Miteinander statt gegeneinander.

 

Studiumsgeschichten, Wohngeschichten

Wenn der Kaffee versiegt

Wann ist es Zeit zu gehen? Wenn das Pulver gerade noch für einen Kaffee reicht.

Nach 35 Arbeitstagen und 99 Tassen Instantkaffee neigt sich mein fünftes und damit zweitletztes Praktikum dem Ende zu. Obwohl es mangels Patienten nicht besonders ereignisreich war, konnte ich doch einige Erfahrungen dazu gewinnen und verschiedene Eindrücke mitnehmen. Irgendetwas lernt man ja immer und im direkten Kontakt mit Menschen sowieso.

Besonders beeindruckt hat mich die Palliativstation in dem Krankenhaus, in dem ich die letzten zwei Monate gearbeitet habe. Dort werden Patientinnen und Patienten gepflegt, die unheilbar krank sind und bei denen man nur noch die Symptome, nicht aber die Krankheit selber bekämpft. Viele verbinden die sogenannte palliative care direkt mit dem Tod, aber nicht jeder, der auf einer Palliativstation lebt, wird unmittelbar sterben. Mit vielen chronischen Erkrankungen, wie beispielsweise diversen Krebsarten oder neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson oder Multiple Sklerose, kann man noch viele Jahre leben und die Palliativmedizin hat zum Ziel, die Lebensqualität der Betroffenen so hoch wie möglich zu halten.

Ich war beeindruckt von der Hingabe, mit der die Pflegenden sich um ihre Patienten kümmern. Auf dieser Station funktioniert die Medizin so, wie ich sie mir überall wünschen würde: Der Mensch steht im Fokus, mit seinen individuellen Wünschen und Bedürfnissen. Man nimmt sich Zeit, geht auf die Patienten ein und tut alles, was möglich ist, damit sie sich wohl fühlen. Das hat mich geprägt und das werde ich mitnehmen.

Bei allem, was auch wir als Ernährungsberaterinnen und -Berater tun, sollten wir uns immer fragen, was für den Patienten gerade das Wichtigste ist und wie wir ihm oder ihr Gutes tun können. Manchmal deckt sich das mit unserem Wissen und unserer professionellen Meinung, manchmal aber auch nicht. Dann gilt es, das Gespräch zu suchen und Kompromisse zu finden.

Damit packe ich meine sieben Sachen zusammen und begebe mich via Zürich für die nächsten zwei Monate wieder an die Fachhochschule nach Bern. Es warten (spannende) Module, die Bachelorarbeit sowie die Bewerbungen für das zehnmonatige Abschlusspraktikum auf mich. Langweilig wird es also bestimmt nicht und ich werde mir sofort neuen Kaffee kaufen müssen, um genügend Power zu haben.

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Ich habe mal wieder alles zusammengepackt und meine treue Begleiterin – die Reisetasche – umzugsfertig gemacht.
Studiumsgeschichten, Wohngeschichten

Die erste Praktikumswoche

Wie schnell die Zeit vergeht! Es ist unglaublich, die erste Woche meines zweimonatigen Praktikums ist bereits wieder rum. Dabei war noch nicht einmal besonders viel los.

In meinem Personalzimmer habe ich mich zum Glück recht schnell eingelebt. Es ist relativ gross und meine Mitbewohner scheinen reinlich zu sein, sodass ich mich nicht vor der Gemeinschaftsdusche ekle und in der Küche sogar ohne Bedenken mein Essen zubereite. Grosses Plus gegenüber dem letzten Personalhaus!

Das Team der Ernährungsberaterinnen ist, passend zu der Grösse des Spital, relativ klein und die beiden haben mich herzlich empfangen. Zurzeit sind die Bettenstationen ziemlich leer (verspätetes Sommerloch?), sodass wir bereits viel Zeit hatten, um uns kennenzulernen.

Überhaupt empfinde ich die Atmosphäre unter den Mitarbeitenden als sehr angenehm und es gehen nicht alle in Deckung, wenn „die Ernährungstanten“ kommen. Das habe ich auch schon ganz anders erlebt.

Eine Ernährungsberaterin kann dann gute Arbeit leisten, wenn sie von Ärzten und Pflegenden respektiert und ernst genommen wird. Ohne die Ärzte bekommen wir keine Verordnungen, sprich keinen Arbeitsauftrag, und kommen so auch nicht an die Patienten ran. Die Pflege ist extrem wichtig, wenn es darum geht, ernährungstherapeutische Massnahmen umzusetzen und die Patientinnen und Patienten zum Mitmachen zu motivieren. Ohne sie geht es nicht. Auch ein gutes Verhältnis zur Diätküche ist wichtig, weil diese letztendlich das Essen für die Patienten zubereitet und ein reger Austausch dazu beitragen kann, dass diese schliesslich genau das erhalten, was für sie in der aktuellen Situation am Besten ist. Sonderwünsche nicht ausgeschlossen.

Umgekehrt liegt es in unserer Verantwortung als Ernährungsberaterinnen und Ernährungsberater, einen guten Job zu machen und so zu beweisen, dass wir mit unserer Arbeit einen wertvollen Beitrag zur Prävention von Krankheiten sowie zur Förderung der Genesung und der Steigerung der Lebensqualität bereits Erkrankter leisten können. Das können wir nämlich.

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Wichtig bei der Bewertung eines Praktikumsorts ist natürlich auch, ob einem die Arbeitskleidung einigermassen steht. Also ich finde die Farbe gut.

Ich arbeite so gerne im Spital, wie ich die interprofessionelle Zusammenarbeit extrem spannend finde. Nur wenn ganz viele Berufsgruppen zusammenarbeiten, sich gegenseitig anhören und am gleichen Strick ziehen, kann es gelingen, die Patientinnen und Patienten ganzheitlich zu betrachten und ihnen die bestmögliche Pflege und Therapie zu bieten. Dafür braucht es eine offene Kommunikation und von allen Parteien den Willen, sich auf Augenhöhe zu begegnen.