Essgeschichten

Bizarre Food

Ich bin in meiner Familie und meinem Freundeskreis bestimmt für vieles bekannt (berüchtigt), aber eher nicht für kulinarische Experimentierfreudigkeit. Als Vegetarierin fallen bereits grundsätzlich alle Fleischgerichte und somit sämtliche Innereien, Hühnerbeine und andere Leckerbissen weg. Das Probieren von unbekannten Früchten und Gemüsen erfordert meist nicht ganz so viel Mut und Überwindung.

Was ich trotz meines „Vegetariertums“ schon lange probieren wollte, sind Insekten. Schön gebacken, frittiert oder mit Schokolade überzogen. In der Schweiz sind die bisher noch kaum erhältlich und in der Zoohandlung holen und selbermachen wollte ich sie dann doch nicht.

Wie gut, dass meine beste Freundin davon wusste und Insektensnacks in Kanada, wo sie die letzten Monate verbracht hat, gerade im Kommen sind. Sie hat mir eine Packung getrocknete Maden mit Cheddar-Aroma mitgebracht. Obwohl wir uns nun schon so lange kennen, hatte sie erst etwas Angst, ich würde sie aus der Wohnung schmeissen, aber ich war schlicht begeistert und wollte sofort einen probieren.

Fazit nach der Degustation: Sie sind schön knusprig in der Konsistenz und relativ neutral im Geschmack. Hätte ich nicht gewusst, was es ist, und mit blinden Augen gekostet, wäre ich niemals auf Würmer gekommen.

Natürlich habe ich es mir nicht nehmen lassen, den Snack am nächsten Tag an die Fachhochschule mitzunehmen und meinen Mitstudierenden zum Probieren anzubieten. Von Ekel über Neugier bis hin zu Begeisterung war das ganze Reaktionsspektrum vorhanden. Einigen habe ich gar nicht die Wahl gelassen und die Insekten zur Blindverkostung angeboten. Der Gesichtsausdruck bei der Auflösung war unschlagbar!

 

Studiumsgeschichten

Diabetes für Anfänger – Teil 3

Was bin ich froh, dass ich den Diabetes heute Abend ablegen kann. Man kann mit dieser Krankheit leben und alt werden, ganz bestimmt, aber es erfordert eine Menge Disziplin und es vergeht kein Tag, an dem man nicht mit der Krankheit konfrontiert wird. Mein Respekt gilt all jenen, die das über Jahrzehnte tagtäglich meistern.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zu gravierenden Folgeerkrankungen, die teilweise nur schwer zu therapieren und irreversibel sind. Deshalb ist es wichtig, sowohl die medikamentöse als auch die Ernährungstherapie vom ersten Tag der Diagnose an mit eiserner Disziplin zu befolgen, um möglichst schnell eine gute Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Wer möchte schon erblinden, an die Dialyse müssen oder einen diabetischen Fuss bekommen? Bloss, solange man die Krankheit nicht spürt, erscheint sie einem vermutlich auch nicht so bedrohlich und wenn man etwas merkt, ist es eventuell schon zu spät.

Die einwöchige Selbsterfahrung hat mich als angehende Ernährungsberaterin auf jeden Fall weiter gebracht und, wie ich hoffe, meine Qualität als Therapeutin sowie mein Verständnis für die Patienten gefördert. Es ist einfach, einen Plan genau nach Vorgaben zu erstellen und Lebensmittelmengen vorzuschreiben, aber es ist anspruchsvoll, dies in den Alltag zu integrieren ohne sich dabei eingeschränkt zu fühlen. Und wenn ich mit meinem Vorwissen schon gefordert war, wie geht es dann jemanden, der sich bis jetzt überhaupt nicht um seine Ernährung gekümmert und stets nach Lust und Laune gegessen hat? Wie erkläre ich Diabetes einem Kind oder jemandem, der meine Sprache nur sehr schlecht spricht? Was mache ich, wenn zum Diabetes noch weitere Allergien und Unverträglichkeiten hinzukommen? Auf diese und viele weitere Fragen werden wir in der Praxis mit Sicherheit treffen und es wird unsere Aufgabe sein, klientenzentrierte Lösungen zu finden.

PS: Meine Mama wird sich bestimmt auch freuen, dass sie ihre Küchenwaage zurückbekommt.