Spitalgeschichten

Kann ich mit dem Worst Case leben?

Von meinem Gesprächstermin diese Woche hatte ich euch ja bereits berichtet. Auch davon, dass ich nun zu wissen glaube, was ich brauche, um mich zu hundert Prozent für die Operation zu entscheiden. Oder eben dagegen.

Ich bin grundsätzlich für die Operation, weil ich das Happy End will. Unbedingt! Es ist nicht unwahrscheinlich, dass ich dieses Happy End bekomme. Aber eben auch nicht sicher.

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Die Frage ist nun, ob ich auch damit leben kann bzw. will, wenn die Operation nicht wie geplant verläuft und ich bestenfalls beim Status Quo lande oder bei einer Variante, von der ich noch weniger begeistert bin, als von der IST-Situation. Wenn ich diese Frage mit Nein beantworte, dann sollte ich die Operation vernünftigerweise bleiben lassen. Wenigstens für den Moment.

Deshalb setze ich mich aktuell nicht primär mit der geplanten Operation und all ihren Chancen und Risiken auseinander, sondern ich versuche mich an das Gefühl heranzutasten, wie das Leben für mich wäre, wenn mein persönlicher Worst Case eintritt. Nur wenn ich überzeugt bin, dass ich mich auch mit dieser Variante zumindest mittelfristig arrangieren könnte, werde ich die OP-Einwilligung unterschreiben. Das habe ich mir selbst und meinen Angehörigen fest versprochen.

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Spitalgeschichten

Happy End

„Und vielleicht geht’s nicht ums Happy End, sondern heute mal nur um die Geschichte.“ (Julia Engelmann)

Ich habe mir das Happy End gewünscht. So sehr! Ich wünsche es mir immer noch. Ich will es! Auf der Stelle. Sofort.

Denken wir nicht alle irgendwie immer zuerst ans Happy End? Ist die positive Erwartung an dedas Ziel nicht oft der Auslöser und Antrieb unseres Handelns? Ich erinnere mich da an eine Vorlesungsreihe aus dem Bereich der Motivationspsychologie…

Vor meiner letzten Operation am 1. Februar habe ich daran gedacht, wie es sein wird, wenn danach endlich alles gut ist. Ich habe mir das Ziel des Eingriffs vor Augen geführt, mir das Happy End ausgemalt. Im Mai wollte ich nicht nur meinen Geburtstag feiern, sondern auch den positiven Ausgang einer knapp dreijährigen Odyssee durch Sprechzimmer von Ärzten und Therapeuten, Operationssäle und Spitalbetten. Es wäre so etwas wie ein Neuanfang gewesen, ein neuer Lebensabschnitt. Ein Trugschluss, vielleicht, aber eine schöne Vorstellung.

Das Happy Ende ist nicht eingetreten. Noch nicht? Nicht jede Geschichte hat ein Happy End. Schon klar.

Die Hoffnung auf das Happy Ende hat mir vor der Operation, während des Krankenhausaufenthalts und in der Rekonvaleszenz geholfen. Ich wusste, wofür ich die Nervosität, die Schmerzen und die ganzen Unannehmlichkeiten auf mich nehme.

In meiner momentanen Situation verspottet mich das Happy End. Im Hinblick auf das aktuelle Operationsresultat erscheint es mir lächerlich, welcher Aufwand dafür betrieben wurde. Für nichts.

Vielleicht geht es jetzt darum, sich auf die Geschichte zu konzentrieren. Auf das, was da ist. Nicht auf das, was war, und nicht auf das, was sein könnte oder sollte. Das Happy End ist (vorerst) eine Sackgasse, aber die Geschichte geht weiter. Und das ist es doch, was zählt. Oder?