Alltagsgeschichten, Pendeln

Arbeitsweg Teil 2 – Pendeln mit dem Auto

Da ich sehr an meinem (Schönheits-)Schlaf hänge und nicht jeden Tag gleich motiviert und gewillt bin, gut drei Stunden im Zug und auf Bahnhöfen zu verbringen, fahre ich zum ersten Mal in meinem Leben regelmässig eine längere Strecke mit dem Auto zur Arbeit. Im Vergleich zum Zug spare ich dabei gut zwei Drittel der Zeit für meinen Arbeitsweg.

Zum Glück habe ich eine grosszügige Grossmutter, die mir bereitwillig ihr kleines Auto zur Verfügung stellt. Damit bin ich auf der Autobahn zwar nicht die schnellste, die Chance, dass ich einen Parkschaden verursache, ist dafür auch eher klein.

Auch im Auto gehört für mich ein Kaffee dazu. Statt ihn am Bahnhof zu kaufen, nehme ich ihn in einem to go Becher von zuhause mit. Der schmeckt genauso gut und ist einiges billiger.

Auch hier habe ich Glück, weil der Hauptverkehr morgens und abends genau in die entgegengesetzte Richtung wie ich fährt. Ich habe also im wahrsten Sinn des Wortes freie Bahn. Im Radio kann ich quasi „by the way“ die aktuellen Nachrichten hören und mich von der laut aufgedrehten Musik in eine gute Stimmung versetzen lassen. Dafür lassen sich nicht „unauffällig“ interessante Gespräche belauschen und man lernt nicht spontan neue Leute kennen oder wird in Diskussionen verwickelt.

Das Auto hat den Vorteil, dass ich auf den Fall viel schneller bin als mit dem Zug. Morgens kann ich länger schlafen und abends habe ich mehr Freizeit. Dafür kann ich den Arbeitsweg nicht zum Wachwerden oder Entspannen nutzen, sondern muss auch nach Feierabend noch konzentriert sein. Für eine Autofahrerin mit nicht ganz so viel Routine ist das zuweilen ziemlich anstrengend.

Man ist weniger den Elementen ausgesetzt, Klimaanlage und Scheibenwischer halten Temperatur und Wetter von einem fern. Dafür bewegt man sich aber auch deutlich weniger. Mein Schrittzähler hat mir verraten, dass ich, wenn ich mit dem Zug pendle, gut 3’000 bis 4’000 Schritte mehr mache am Tag, als wenn ich mit dem Auto fahre. Damit kommt man nämlich praktisch von Tür zu Tür, ohne sich gross bewegen zu müssen.

Wenn ich irgendwann in (hoffentlich) naher Zukunft einen festen Arbeitsplatz habe, möchte ich entweder in Geh- oder Velodistanz wohnen oder mit dem Zug pendeln können. Jeden Tag ins Auto zu steigen ist längerfristig gesehen nicht mein Ding und mit den guten Verbindungen der öffentlichen Verkehrsmittel in der Schweiz auch nicht mehr unbedingt notwendig und zeitgemäss.

Alltagsgeschichten, Pendeln

Arbeitsweg Teil 1 – Pendeln mit dem Zug

Vor knapp zwei Jahren bin ich extra nach Bern gezogen, damit ich nicht jeden Tag knapp vier Stunden Zug fahren muss, um von meinem Elternhaus zur Fachhochschule und zurück zu gelangen.

Im Rahmen unserer Ausbildung absolvieren wir mindestens sechs Praktika, welche in der gesamten Schweiz verstreut sein können. Seit Montag bin ich für vier Wochen in einem Regionalspital in der Ostschweiz. Da ich mir für vier Wochen kein Personalzimmer oder eine andere Unterkunft in der näheren Umgebung meines Praktikumsorts suchen wollte, nehme ich einen etwas längeren Arbeitsweg in Kauf. Mit dem Zug brauche ich knapp 1 Stunde und 40 Minuten, inklusive dreimal umstiegen. Abgesehen davon, dass man relativ früh aufstehen muss, um pünktlich um acht bei der Arbeit zu sein, besteht der allmorgendliche Nervenkitzel darin, ob man alle Anschlüsse rechtzeitig erwischt und ohne Zwischenfälle ankommt. Für die begrenzte Zeitdauer ist das machbar und pendeln hat auch etwas für sich.

Die Strecke, die ich fahren muss, ist zum Glück nicht so stark ausgelastet, es gibt in den Zügen immer freie Plätze und meistens habe ich sogar ein Viererabteil für mich. Am Morgen hole ich mir beim Umsteigen auf den Bahnhöfen einen schönen heissen Kaffee. Ein Muss! Ich finde es immer schön, wenn man am Kaffeestand von einem freundlichen Gesicht begrüsst wird und einen schönen Tag gewünscht bekommt. Da fängt der Tag gleich gut an.

Unter dem Semester habe ich kaum Zeit und Muse, um ein Buch zu lesen. Lesen muss ich für das Studium den ganzen Tag genug und den Fernseher einzuschalten oder im Internet eine Serie anzuschauen braucht weniger Konzentration, als der Handlung eines komplexen Krimis zu folgen. Zufällig ist vor zwei Wochen mein iPod ausgestiegen und so habe ich im Zug statt Musik gehört gelesen. Innert kürzester Zeit habe ich zwei Bücher verschlungen. Zwischendurch kann man dabei immer mal wieder aus dem Fenster sehen oder den Gesprächen der Mitreisenden lauschen. Herrlich entspannend.

20160704_073842

Nach einem (anstrengenden) Arbeitstag brauche ich auf dem Nachhauseweg unbedingt nochmal einen Kaffee. Er hilft mir, mich zu entspannen und mich auf den Feierabend einzustellen. An schönen warmen Tagen darf der Kaffee ruhig auch kalt sein. Hauptsache Koffein!

20160705_183335

 

Pendeln, Studiumsgeschichten, Wohngeschichten

Die Sache mit den Kleidern

Nun bin ich schon ein Jahr Wochenaufenthalterin in Bern. Während des Semester wohne ich unter der Woche in der Bundeshauptstadt und pendle spätestens am Freitagabend nach Zürich zu meinen Eltern. Immer mit dabei ist eine grosse Reisetasche auf Rollen. Das ist umständlich und je nach Gewicht auch mühsam, aber bisher habe ich es nicht geschafft, ohne auszukommen.

Ich bin ein Gewohnheitstier und möchte mir immer alle Möglichkeiten offen halten. Das gilt auch, wenn es darum geht, welche Klamotten und welchen Schmuck ich zur Auswahl habe. Was nehme ich mit nach Bern und was lasse ich in Zürich? Die Frage treibt mir sonntags regelmässig die Schweissperlen auf die Stirn. Dabei habe ich weiss Gott genug Anzuziehen.

Was ist, wenn es regnet oder plötzlich eiskalt wird? Und wenn der Sommer nochmal mit aller Kraft zurückkommt? Könnte Schnee um diese Jahreszeit schon ein Thema sein? Gerade jetzt in der Übergangszeit muss man für alles gewappnet sein. Schwierige Sache und ein absolutes Luxusproblem. Ich weiss.

Wenn ich eine Hose einpacke, dann brauche ich dazu automatisch ein passendes Oberteil oder besser zwei, dann kann ich je nach Lust und Laune entscheiden. Zu dem einen passen Ohrstecker, beim anderen sind Kreolen besser. Schuhe runden ein Outfit ab, also wollen auch sie gut gewählt sein. Besser ich nehme ein offenes und ein geschlossenes Paar in der gleichen Farbe mit, dann kann ich mich an der Witterung orientieren. Vielleicht möchte ich lieber ein Kleid anziehen. Dann brauche ich Strumpfhosen oder Leggings. Vielleicht lieber beides, falls die Strumpfhose eine Laufmasche bekommt. Schwups ist die Tasche voll und es bleibt immer noch die Frage nach der richtigen Jacke.

Mein Rollkoffer wird mich wohl noch so lange begleiten, bis ich mich auf eine Bleibe reduziert habe.

Alltagsgeschichten, Pendeln, Studiumsgeschichten

Luxus

Zeit ist nicht nur Geld, sondern auch sonst ein wertvolles Gut, welches einem den Raum für Erholung und Entspannung gibt. Daran denke ich jeden Morgen, wenn ich um 7 Uhr noch im Bett liege und völlig stressfrei in den Tag starten kann. Viele der Leute aus meiner „Kohorte“ sind dann schon länger wach und sitzen bereits in einem vollbesetzten Zug. Dann bin ich dankbar, dass ich die Möglichkeit hatte nach Bern zu ziehen und diese auch wahrgenommen habe.

Am Abend brauche ich 15 Minuten von der Uni in die WG. Die knapp zwei Stunden, die ich beim Pendeln im Zug verbracht hätte, kann ich zum Joggen, Faulenzen oder auch Lernen nutzen.

Letzte Woche habe ich für das Studium während vier Tagen eine Selbstbeobachtung durchgeführt und genau protokolliert, wann ich für was wieviel Zeit gebraucht habe. Die Aufgabe klingt banal, die Ergebnisse waren aber aufschlussreich. Viele Aktivitäten laufen parallel, die Freizeit quetscht sich irgendwo zwischen Studium, Arbeit, Transfer und administrativen Kram. Meine work-life-balance ist jetzt nicht so schlecht, aber ich habe für mich festgestellt, dass es sich lohnen würde, die eigene Zeitplanung bewusster zu gestalten.

Wir sind ständig auf Draht, immer erreichbar und haben kaum die Kapazität, um zur Ruhe zu kommen und ganz bei uns zu sein. Luxus hat für mich nicht nur mit materiellem Reichtum zu tun, sondern auch damit, sich im Leben gewisse Freiheiten zu gönnen und Freiräume zu schaffen. Ich bin überzeugt, dass der, dem das gelingt, langfristig glücklicher sein wird als ein Lottomillionär.