Alltagsgeschichten

Montag

Ich gebe es ehrlich zu: Ich war schon gestern Abend nicht besonders motiviert, heute arbeiten zu gehen und heute Morgen dann schon gar nicht. Das Wochenende war sooo schön und sooooooo kurz.

Seit ich vor zwei Wochen meine neue Praktikumsstelle begonnen habe, war ich meistens schon fünfzehn Minuten vor meinem eigentlichen Arbeitsbeginn da. Wenn man mit dem Auto fähr, kann man ja nie ganz sicher sein, dass es nicht doch irgendwo Stau gibt und dann bleibt auch noch genügend Zeit, nach dem Umziehen ohne schlechtes Gewissen einen schönen heissen Kaffee zu trinken.

Heute wollte ich es besser machen und ausserdem das Wochenende durch eine Viertelstunde mehr Schlaf künstlich verlängern. Einigermassen wach bin ich also später als gewöhnlich losgedüst (bei der Morgenshow im Radio waren sie schon beim Zuschauerspiel und nicht wie sonst bei der Verkehrsdurchsage). Da gerade die grossen Sommerferien sind herrschte kaum Verkehr und ich kam gut voran. Irgendwie musste ich total in Gedanken versunken gewesen sein – was mich so ins Grübeln bracht weiss ich partout nicht mehr – denn ich stellte plötzlich verdutzt fest, dass ich die Autobahnausfahrt verpasst hatte. Mist!

Wer mich kennt, weiss, dass mein Orientierungssinn in etwa dem eines blinden Huhns gleich kommt und so wartete ich einfach die nächste Ausfahrt ab, welche mich unmittelbar auf die Autobahn in Richtung Zürich führte. Zumindest war ich aus der Richtung gekommen, also konnte es nicht so verkehrt sein. Die Uhr tickte und mir blieb bis zum Arbeitsbeginn um acht noch eine knappe Viertelstunde Zeit. Mist!

Die nächste Ausfahrt liess eeeeewig auf sich warten. Zumindest kannte ich den Namen der gekennzeichneten Ortschaft und ich wusste, dass sie nicht allzu weit von meinem Arbeitsort entfernt liegt. Ohne Umwegen und mehrmaliges Wenden schaffte ich es zwar nicht, aber schliesslich kam ich doch irgendwann an, spurtete zum Gebäude der Ernährungsberatung und zog mich um. Die Beratung, bei der ich hatte zuhören wollen, hatte natürlich längst begonnen. Mist!

Um den Fehlstart auszugleichen brauchte ich jetzt dringend einen Kaffee. Während ich mich noch immer über mich selbst ärgerte, brummte die Maschine so laut vor sich hin, dass ich nicht hörte, wie meine Arbeitskollegin den Raum betrat. Als sie mich ansprach, zuckte ich erschrocken zusammen und mein Puls schnellte auf gefühlte 180 Schläge pro Minute hoch. Wenigstens war ich danach definitiv wach.

 

Studiumsgeschichten

Ein klassischer Fehlstart

Heute Morgen war die Welt noch in Ordnung: Eine Freundin hatte bei mir übernachtet, wir haben Kaffee gemacht und gemeinsam gefrühstückt. Sie ist anschliessend zur Uni gefahren, während ich daheim auf den Elektriker gewartet habe, der meinen Internetanschluss irgendwann zwischen acht und elf Uhr freischalten sollte. Wegen dieser äussert genauen und eng eingegrenzten Terminangabe habe ich das neue Semester mit Schwänzen begonnen.

Der junge Mann war sehr nett und sah auch nicht schlecht aus. Als er jedoch meine Steckdose sah, meinte er nur: „Oh.“ „Ist etwas nicht in Ordnung?“ „Da haben Sie aber einen sehr alten Anschluss. Damit Sie das Modem anschliessen können, müssen Sie zuerst noch einen Adapter kaufen.“ Okay, halb so schlimm.

An der Uni angekommen funktionierte mein Internet nicht und ich konnte die Unterlagen für die kommende Vorlesung nicht runterladen. Um die Zeit bis zur Lektion sinnvoll zu nutzen, wollte ich Pflichtliteratur von einer Freundin kopieren, damit ich sie heute Nachmittag im Zug lesen kann. Das Kopiergerät weigerte sich standhaft, mir dabei behilflich zu sein. Kaum war ich eine halbe Stunde zurück im Unialltag war ich also schon wieder auf 180. Da hat es auch nicht geholfen, dass die Einführungsvorlesungen in den Lektionen von zehn bis zwölf todlangweilig und komplett überflüssig waren.

Wegen eines Arzttermins werde ich nun auch die vier Nachmittagslektionen verpassen und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass ich mit Lernen sowie der Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen mindestens eine Woche im Rückstand bin.