Studiumsgeschichten

Wie ein altes Ehepaar

In unserem Seminarwochenende habe ich das Zimmer mit einer Mitstudentin geteilt. Das Studio war relativ gross, mit eigenem Badezimmer, zwei getrennten Betten und einem Ankleideraum. Fast schon Luxus!

Während des Studiums waren wir zwar mehrmals in der gleichen Halb- beziehungsweise Drittelsklasse und wir hatten uns auch schon oft unterhalten, doch so richtig gut gekannt haben wir uns eigentlich nicht. Da das Zimmer neben all den Annehmlichkeiten auch ein wenig den Charme eines Doppelzimmers im Altersheim ausstrahlte, sahen wir die zwei Nächte zu Beginn als ideale Gelegenheit, den Umzug in die Seniorenresidenz zu proben. Es stellte sich bereits nach kürzester Zeit heraus, dass wir beide wie ein altes Ehepaar harmonieren.

Wir hatten beide Hausschuhe dabei, duschen vorzugsweise abends und haben intuitiv den Wecker zur selben Zeit gestellt. Richtig skuril wurde es, als ich vor dem Schlafengehen im Badezimmer feststellte, dass wir beide die gleiche Zahnbürste haben. Sie in rot, ich in grün. Wir waren uns zudem einig, dass wir die Zahnbürste eigentlich überhaupt nicht mögen und sie nur auswärts benutzen.

Ganz wie ein liebendes Ehepaar haben wir uns in dem kalten Seminarraum dann auch eine Wolldecke geteilt und an dem Wochenende stets aufeinander Acht gegeben.

Sollte es uns nach einem hoffentlich erfüllten Leben also je in das gleiche Altersheim verschlagen, könnte man uns wohl guten Gewissens in ein Doppelzimmer stecken.

Studiumsgeschichten

Erster Arbeitstag

Erst noch war ich für ein Praktikum während acht Wochen im Kinderspital, nun bin ich schon wieder fern der Fachhochschule als Auszubildende im Spital. Dieses Mal hat es mich in ein Kantonsspital in der Innerschweiz verschlagen.

Der erste Arbeitstag war, wie es sich für einen solchen gehört, wahnsinnig anstrengend und voller neue Eindrücke, Gesichter und Namen. Bis auf einige wenige Namen haben ich alle bereits wieder vergessen und wie ich mich je in dem Wirrwarr aus Gängen und Stockwerken zurecht finden werde, ist mir ein Rätsel. Mit der Zeit werde ich mich in dem Spital aber sicherlich wie zuhause fühlen und mich im Schlaf zurechtfinden. Hoffentlich. Da es kein besonders grosses Krankenhaus ist, scheint die Atmosphäre hier sehr familiär zu sein und ich wurde von allen Seiten herzlich willkommen geheissen.

Mittlerweile habe ich auch mein Zimmer im Personalhaus bezogen und eingerichtet. Daran werde ich mich wohl erst noch gewöhnen müssen. Das Zimmer ist klein und zweckmässig, Bad und Küche teile ich mit drei anderen. Bisher konnte ich mich noch nicht dazu aufraffen, mir in der Küche etwas zum Abendessen zu kochen. Sauber ist sie eher nicht…

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Dafür habe ich – zum ersten Mal in meinem Leben – einen begehbaren Kleiderschrank. Juhu!

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Spitalgeschichten

Zweierzimmer mit Vollpension

Ich mache mal wieder Cluburlaub. Naja, sowas ähnliches jedenfalls.

Die Anfahrt muss individuell organisiert werden, es wird jedoch dringend geraten, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Parkplätze sind Mangelware. Mitnehmen sollte man bequeme Kleidung, Zahnputzzeug und Lesefutter. Auf spezielle Abendgarderobe wird keinen Wert gelegt.

Am Empfang kriegt man als erstes ein Bändchen ums Handgelenk gelegt. Es berechtigt einen zur Nutzung des All inclusive Angebots und falls man einmal zu zugedröhnt ist, um den Weg zurück in die richtige Dependance des Hotels zu finden, stehen auch gleich alle wichtigen persönlichen Informationen drauf. Einmal einlesen und der Barcode verrät deine Identität.

Für die gut betuchten Gäste gibt es Einzelzimmer, andere müssen mit einem Doppelzimmer, wenigstens mit zwei Einzelbetten ausgestattet, vorlieb nehmen. Je nach dem, wenn man nebenan liegt hat, kann das unterhaltsam oder auch sehr anstrengend sein. Man kann sich seine Nachbarn eben nicht aussuchen.

Im Rundum-Sorglos-Paket sind 24-Stunden Zimmerservice und diverse Therapieeinheiten inklusive. Wer Glück hat, wird von einem knackigen Physiotherapeuten massiert, wer Pech hat, bekommt von der hoteleigenen Ernährungsberaterin das Dessert gestrichen.

Sein Menu darf man sich täglich neu auswählen und alle drei Mahlzeiten werden direkt ans Bett geliefert. Über die Qualität des Essens lässt sich streiten, zur Not gibt’s zum Glück noch den Kiosk im Erdgeschoss. Manchen vergeht während des Urlaubs ohnehin vorübergehend der Appetit. So viel „Entspannung“ kann einem schon mal auf den Magen schlagen.

Die Zimmer sind zweckmässig, etwas steril anmutend und meist nur mit dem Notwendigsten ausgestattet, obwohl es sich hier nicht um einen Billigurlaub handelt. Für Blumen und Dekoration muss man selber sorgen.

Durchaus erwähnenswert sind die gut aussehenden jungen Männer in Uniform, die hier und da auf den Fluren anzutreffen sind. Leider sind sie, ganz um das Wohl der Gäste besorgt, meist sehr beschäftigt und nicht für einen Schwatz zu haben. Ach ja, gut aussehende Frauen gibt es übrigens auch und die haben in den meisten Fällen sogar öfter mit den Gästen zu tun.

Ich für meinen Teil werden den Komfort dieses Hauses für mindestens zehn Tage geniessen und dann direkt ins Hotel Mama umziehen. Der Urlaub in diesem Etablissement ist nämlich nur begrenzt erholsam, dafür ist einfach zu viel los.

Na, wisst ihr, wo die Reise hingeht?

Spitalgeschichten

Die Behinderte

Meine Zimmernachbarin, in bereits etwas fortgeschrittenen Alter, ist, unter anderem wegen der Medikamente, die sie zurzeit bekommt, zuweilen etwas verwirrt. Nachts veranstaltet sie Apéros, zu denen niemand kommt und räumt das ohnehin schon spärlich eingerichtete Krankenzimmer mit unnachahmlicher Akribie auf. Als Nachtpfleger Martin sie darauf hinweist, dass die Frau im Nebenbett (Ich) eventuell schlafen möchte, antwortet sie sofort: „Ja, das arme Ding, sie ist auf einmal und ganz plötzlich so behindert.“ Martin und ich müssen beide laut lachen. Ich gehe zwar wie eine hundertjährige und würde vermutlich in einem Schneckenrennen den letzten Platz machen, aber so dramatisch sehe ich die Situation noch lange nicht.

Wohngeschichten

Der erste Abend in der neuen Wohnung

Da dachte ich immer, ich hätte so viel Krempel, dabei hat all mein Zeug in ein paar grossen Taschen und Kartonschachteln Platz. So hat es denn auch nicht lange gedauert, bis ich mich in meinem Zimmer heimelig eingerichtet habe. Okay, ein paar (essentielle) Dinge wie zum Beispiel ein Schreibtisch fehlen noch, aber das Studium beginnt ja erst in knapp 2 Wochen. Auch auf eine Deckenlampe muss ich vorläufig noch verzichten, weil meine Handwerklichen Fähigkeiten nicht ausreichen, um sie fachgerecht aufzuhängen.

Nun bin ich gespannt, ob ich auch gut schlafen werde. Die erste Nacht an einem neuen Ort ist erfahrungsgemäss nicht die erholsamste.